/Diesel-Abgas: Forderung nach Strafsteuer für SUV DUH fordert Strafgebühr für dicke SUV

Diesel-Abgas: Forderung nach Strafsteuer für SUV DUH fordert Strafgebühr für dicke SUV

— 11.09.2017

DUH fordert Strafgebühr für dicke SUV

Die Umwelthilfe geht gegen große Diesel-SUV vor: Sie fordert eine Strafgebühr für besonders durstige Diesel-Geländewagen – und eine Abschaffung des Diesel-Privilegs.




‘Dieselgipfel: Sind Sie für Fahrverbote?’

(dpa/Reuters/mas/cj/lhp) Kurz vor der Eröffnung der Automesse IAA fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) eine Strafgebühr auf die Zulassung von SUVs. “In Skandinavien wird mitunter ein hoher Betrag fällig, wenn man einen durstigen Diesel-SUV zulassen will”, sagte DUH-Chef Jürgen Resch der “Rheinischen Post”. Umgekehrt gebe es staatliche Prämien für denjenigen, der ein E-Auto zulasse. Das solle es auch in Deutschland geben, sagte Resch. Um die Automobilindustrie zu emissionsarmen und spritsparenden Fahrzeugen zu bewegen, fordert er auch einen Stopp für die Begünstigung von Diesel-Kraftstoff. Die IAA – die am 14. September in Frankfurt eröffnet wird – drohe zu einer “Provinzveranstaltung” zu verkommen, kritisierte der DUH-Chef: “Was in diesem Jahr dominiert, sind die Dinosaurier des Autozeitalters: immer größere, schwerere Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, darunter viele Diesel“. Die Umwelthilfe liefert sich einen erbitterten Kampf mit der Autoindustrie, testet Autos in Eigenregie auf Abgas-Emissionen und fordert Fahrverbote für schmutzige Diesel, darunter auch viele aktuelle Fahrzeuge. 

Neue Abgasmessung in der EU seit September

Wegen der hohen Stickoxid-Werten bei modernen Diesel-Auto hatte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks jüngst gefordert, die Autohersteller sollten ihre Pkw auf eigene Kosten nachrüsten und so die Emissionen um mindestens die Hälfte senken. “Die Lösungen müssen von den Herstellern kommen”, forderte die SPD-Politikerin. Daten des Umweltbundesamts (UBA) von April 2017 zeigten, dass auch neue Euro-6-Diesel auf der Straße im Schnitt sechs Mal so viel gesundheitsschädliche Stickoxide ausstoßen wie erlaubt. Allerdings gelten die offiziellen Grenzwerte der Euro-Abgasnormen bisher nur für Labortests. Mittlerweile gelten in der EU neue Richtlinien zur Abgasmessung, die den Ausstoß auf der Straße überprüfen, nicht nur im Labor.

Euro 6: An kühlen Tagen steigt der NOx-Ausstoß dramatisch

Die Grafik zeigt: Euro-5-Autos pusten das Fünffache, Euro-6-Autos sogar mehr als das Sechsfache der erlaubten NOx-Emissionen in die Luft.

Die hohen Messdaten auf der Straße hatten zuletzt Schlagzeilen gemacht. Den UBA-Daten zufolge stießen Diesel, die der strengsten Abgasnorm Euro 6 entsprechen, auf der Straße im Schnitt 507 Milligramm Stickoxide pro Kilometer aus – der Grenzwert fürs Labor liegt bei nur 80 Milligramm. Zu den Laborbedingungen gehören auch Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad Celsius. Nicht unbedingt realitätsnah: Laut UBA wird in Deutschland die Hälfte der Pkw-Fahrleistung bei Temperaturen unter zehn Grad erbracht. Die Testergebnisse des UBA haben nun bestätigt, was Umweltschützer wie die Deutsche Umwelthilfe im im Zuge des VW-Abgasskandals schon seit geraumer Zeit anprangern: “Unterhalb der im Labor üblichen 20 bis 30 Grad Celsius steigen die NOx-Emissionen mit sinkender Außentemperatur stark an”, heißt es in der Pressemitteilung. Während bei Euro-4-Dieseln der Unterschied zwischen früheren (in warmer Umgebung) und den aktuellen (auch in kühlerer Umgebung) Messungen “nur” 23 Prozent betrage, liege er bei Euro-5-Pkw schon bei 33 und bei Euro-6-Diesel-Pkw bei unfassbaren 92 Prozent, hieß es.

Was die DUH bei Winter-Abgastests maß

Jürgen Resch, der Chef der Deutschen Umwelthilfe, verlangt eine Strafsteuer für verbrauchsstarke SUV.

Mit den Testergebnissen hat das UBA die Messergebnisse bestätigt, mit denen bereits der ADAC mit seinem “EcoTest” und die Deutsche Umwelthilfe Alarm geschlagen hatten. Bei einem Abgastest im Realbetrieb von 16 Fahrzeugen im Winterhalbjahr von September 2016 bis März 2017 stellte die DUH laut eigener Mitteilung teils dramatische Überschreitungen der zulässigen Euro-6-Norm von 80 mg/km Stickoxid (NOx) fest. Negativer Spitzenreiter: der Fiat 500x 2.0 Cross 4×4 mit 1380 mg/km NOx, das 17,2-fache des Erlaubten. Auch der Renault Captur 1.5 dCi 110 (1316 mg/km), der Volvo S90 D4 (1076 mg/km) sowie die Mercedes B-Klasse 180d (1039 mg/km) lagen im Test weit über dem erlaubten Grenzwert. Insgesamt, so die Prüfer, seien diese Fahrzeuge im Winter sogar schmutziger gewesen als die Norm für Euro-4-Diesel, die bei 250mg NOx pro Kilometer liegt.

Insgesamt lagen von den 16 getesteten Fahrzeugen 14 über der Euro-6-Norm. Lediglich die Mercedes E-Klasse 200d der neuen Motorgeneration (654) mit 43 mg NOx/km und der Audi A5 2.0 TDI mit 40 mg NOx/km bewiesen laut DUH, dass eine wirksame Abgasreinigung auch bei winterlichen Temperaturen technisch machbar ist. Anders als die derzeit gültigen Labor-Abgastests nach NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) wurden die Messungen des Emissions-Kontroll-Instituts (EKI) im normalen Straßenverkehr durchgeführt – und zwar bei Temperaturen von -5 bis +16 Grad. Die Teststrecke umfasste rund 32 Kilometer in Berlin mit Stadtverkehr, auf der Landstraße und der Autobahn. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Landstraße betrug laut DUH 80 km/h, auf der Autobahn 120 km/h. Jedes Fahrzeug (15 mit Euro 6, eines mit Euro 5) durchlief in der Regel zehn Tests, gemessen wurde mit mobilen Messgeräten (Portable Emission Measurement System/PEMS).

Hersteller weisen die Vorwürfe zurück

Die betroffenen Autohersteller verwahrten sich auf Anfrage von AUTO BILD gegen jeglichen Manipulationsverdacht und wiesen die Vorwürfe zurück. Sie verwiesen auf bestehende Gesetze und Homologations-Regelungen sowie die problematische Vergleichbarkeit von Tests im Labor und auf der Straße. Eine Sprecherin des FCA-Konzerns sagte gegenüber AUTO BILD in Bezug auf den getesteten Fiat: “Nach unserem Kenntnisstand bestimmt die DUH die Parameter für die Tests willkürlich und nicht gemäß den gesetzlichen Vorgaben: Die Testergebnisse der DUH wurden in einem Verfahren ermittelt, das weder dem derzeit gültigen NEFZ (kalt) noch dem RDE-Prüfzyklus entspricht, der ab dem 1. September 2017 Anwendung finden wird.” Daraus folgerte sie, die Testergebnisse seien ohne belastbare Bedeutung. Der italienisch-amerikanische Hersteller zeigte sich überzeugt, dass der Fiat 500X die einschlägigen Emissionsanforderungen erfüllt, das habe das italienische Verkehrsministerium überprüft und bestätigt. Das schließe auch die Tatsache ein, dass der Fiat 500X keine illegalen Abschalteinrichtungen hat.

Mazda kritisiert DUH-Testprofil

Von Mercedes war zu hören: “Im Vergleich zu den zertifizierten Normwerten kann es im realen Fahrbetrieb zu Abweichungen kommen. Diese resultieren in erster Linie aus veränderten Rahmenbedingungen.” Weiter sagte der Sprecher, man unterstütze seit Jahren die Einführung des WLTP (Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure) sowie des RDE-Messverfahrens (Real Driving Emissions). Ford teilte mit: “Fakt ist, dass alle unsere Fahrzeuge und Motoren – einschließlich Dieselmotoren – alle zurzeit vorgeschriebenen Abgasrichtlinien erfüllen.” Ähnlich äußerte sich ein Mazda-Sprecher, der dazu darauf verwies, dass der getestete Fahrzeugtyp Mazda CX-5 schon 2012, also lange vor Inkrafttreten der Euro-6-Norm, diese Norm einhielt: “Mazda ist Euro-6-Pionier.” Der japanische Hersteller setze schon länger auf möglichst geringe Real-Emissionen. Er kritisierte das Testprofil der DUH: “Es wäre besser, wenn sich der Test am zukünftigen RDE-Fahrprofil orientieren würde.” Das die Testergebnisse auf der Straße höher ausfielen als auf dem Prüfstand, hielt der Mazda-Sprecher für erwartbar.

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Opel verweist auf aktuellen Zafira

Ein Opel-Sprecher bezog Stellung: “Wir kennen den Testaufbau des DUH-Tests nicht und können diesen deshalb auch nicht bewerten und kommentieren.” Opel verwies darauf, dass es sich bei dem getesteten Fahrzeug nicht um ein Modell aus aktueller Produktion handele. Der aktuelle Opel Zafira habe bei einem DUH-Test hervorragende Abgaswerte erzielt. Und Renault antwortete: “Unsere Fahrzeuge verfügen über keinerlei zusätzliche Vorrichtung, um Vorschriften zu umgehen.” Volvo teilte auf Anfrage mit: “Alle in Europa verkauften, neuen Volvo-Modelle sind gemäß der aktuell gültigen Vorgaben des Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), Abgasstufe Euro 6, zertifiziert und entsprechend mit diesen Vorgaben konform. Zu anderen spezifischen Tests können wir keine Aussagen machen, da uns keine Einzelheiten zur Durchführung bekannt sind.”

BMW: “Erfüllen alle gesetzlichen Vorgaben”

So lautete auch der Tenor eines BMW-Sprechers: “Alle Fahrzeuge der BMW Group halten in jedem Land jeweils die für sie gültigen gesetzlichen Vorgaben ein und erfüllen alle lokalen Testvorgaben.” Er verwies darauf, dass alle Untersuchungen durch nationale Behörden den bisher getesteten BMW die Gesetzeskonformität bestätigten. Die Abgaswerte, die die DUH gemessen habe, könne BMW nicht bewerten, weil keine Dokumentation des Messaufbaus und zur Prüfprozedur vorlägen. Der BMW-Sprecher erläuterte die Prüfprozedur für die derzeit gültigen Grenzwerte, die auf einem Rollenprüfstand definiert würden: “Je nach Fahrverhalten, Wetter und sonstigen Umweltbedingungen können sie in der Praxis auch nach oben abweichen.”

Hauptstreitpunkt in der Diskussion um überhöhte Abgaswerte ist das sogenannte Thermofenster, das in bestimmten Temperaturbereichen die Abgasnachbereitung herunterregelt. Nach Argumentation der Hersteller geschieht das, um Bauteile im Motor zu schützen. Allerdings verlangt die EU-Zulassungsvorschrift 692/2008 unmissverständlich, dass die volle Funktionstüchtigkeit der Abgasminderung auch bei Außentemperaturen von bis zu -15 Grad Celsius erhalten sein müsse. Die Ergebnisse der Deutschen Umwelthilfe mit allen Details zu den getesteten Fahrzeugen sehen Sie in der Bildergalerie.