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Deutsches Internet-Institut eröffnet

Deutsches Internet-Institut eröffnet


Kristina Beer

(Bild: Weizenbaum-Institut )

Im Mai hatte Berlin den Zuschlag für das Deutsche Internet-Institut erhalten. Das Institut wurde nun feierlich eröffnet und soll im Geiste seines Namenspaten Joe Weizenbaum Forschung betreiben – interdisziplinär und kritisch.

In Berlin gibt es seit Donnerstag offiziell das Deutsche Internet-Institut. Auf knapp 1700 Quadratmetern sollen in der Hardenbergstraße in Charlottenburg fortan 100 Wissenschaftler arbeiten, wie die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung mitteilte. Das nach dem Internetpionier Joseph Weizenbaum benannte Institut (“Weizenbaum-Institut für die vernetzte Gesellschaft – Das Deutsche Internet-Institut”) soll aktuelle gesellschaftliche Veränderungen, die sich im Zusammenhang mit der Digitalisierung abzeichnen, untersuchen – und künftige politische und wirtschaftliche Handlungsoptionen skizzieren. Ein Leitfrage ist auch, wie die Selbstbestimmung in einer vernetzten Gesellschaft gesichert werden kann.

Weizenbaum: “Die Erde ist ein Irrenhaus”

Joseph (Joe) Weizenbaum wurde 1923 in Berlin geboren. Er verstab im Jahr 2008 in Ludwigsfelde, Brandenburg. 1936 emigrierte er mit seiner Familie in die USA, um der Judenverfolgung unter den Nationalsozialisten zu entfliehen. In den USA studierte er Mathematik und beschäftigte sich frühzeitig mit dem Bau von Computern. Von 1955 bis 1963 entwickelte er bei General Electric unter anderem das erste Computer-Banksystem seiner Zeit. Später arbeitete er als Professor am MIT. Dort schrieb er auch das Chat-Programm Eliza, das als Meilenstein für die künstliche Intelligenz gefeiert wurde und als Vorläufer von Assistenten wie Siri und Alexa und moderne Chatbots gelten kann. 2006 legte er Eliza zu Lehrzwecken noch einmal neu auf.



Joe Weizenbaum: "Die Erde ist ein Irrenhaus. Dabei könnte das bis heute erreichte Wissen der Menschheit aus ihr ein Paradies machen."

Joe Weizenbaum: “Das Internet ist ein großer Misthaufen, in dem man allerdings auch kleine Schätze und Perlen finden kann.”


Weizenbaum war aber nicht nur ein begabter Entwickler, sondern wandelte sich im Laufe seines Lebens auch zum Computer- und Kulturkritiker. Besonders der bedenklose Umgang von Probanden mit Eliza und der Weiterentwicklung “Doctor” weckten in ihm Zweifel. Obwohl Eliza und Doctor aus seiner Sicht relativ einfache Programme waren, nahmen Menschen sie sehr ernst und vertrauten ihnen auch sehr intime Details an.

So prangerte er im Januar 1972 in seinem großen Aufsatz “Albtraum Computer” in Die Zeit den Umgang mit Computertechnik und der KI-Forschung an. Auch rechnete er mit dem Mythos vom fehlerfreien Programmieren ab. Später – 1976– erschien Weizenbaums Hauptwerk: “Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft”. Im Laufe seines Lebens wurde er mit mehreren Ehrendoktorwürden und dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Er war Mitbegründer der Computer Professionals for Social Responsibility in den USA und Beirat des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung. Außerdem verweigerte Weizenbaum am MIT die Mitarbeit an der Entwicklung von Waffen und Waffensystemen für den Vietnamkrieg.

Kultur und Computer

So inderdisziplinär und unabhängig, wie Weizenbaum dachte, soll das Internet-Institut den digitalen Wandel erforschen. Hierzu gehören laut dem Bundeswissenschaftsministerium etwa rechtliche, ethische und ökonomische Fragen und solche zur Wertschöpfung. Auch gehe es um die Bedeutung der Digitalisierung für die Gesellschaft – von der Bildung und Weiterbildung bis hin zum Demokratieverständnis – sowie die Auswirkungen von Big Data auf Datensicherheit und Datenautonomie. Dabei sollen Forscher aus Sozial- und Geisteswissenschaften, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie aus technischen Disziplinen zusammenarbeiten.

Verschiedene Standorte hatten sich im Vorfeld für das Internet-Institut beworben – Berlin, Hannover, Karlsruhe, Leipzig und Bochum. Berlin erhielt im Mai 2017 den Zuschlag. Am Institut beteiligt sind das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) sowie die vier Berliner Universitäten, die Universität Potsdam und das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme. Das Bundesforschungsministerium unterstützt die Einrichtung in den ersten fünf Jahren mit 50 Millionen Euro.


(kbe)