/Deutsche Forscher finden Armutsrisiko mit der Anzahl der Kinder erhöht

Deutsche Forscher finden Armutsrisiko mit der Anzahl der Kinder erhöht

Deutsche Forscher veröffentlichten am Mittwoch eine Studie, in der festgestellt wurde, dass Familien mit jedem weiteren Kind in der Familie einem zunehmenden Armutsrisiko ausgesetzt sind, was sich stark von einer Studie derselben Daten im Jahr 2015 unterscheidet.

Forscher der Ruhr-Universität Bochum haben ab dem Jahr 2015 Zahlen erhoben und eine neue Methodik für ihre Forschung entwickelt, die das verfügbare Einkommen der Haushalte über das gesamte Wohlstandsspektrum hinweg berücksichtigt.

Die Studie ergab, dass 13 Prozent der Paare mit einem Kind, 16 Prozent der Eltern mit zwei Kindern und 18 Prozent der Eltern mit drei Kindern von Armut bedroht sind. Der Maßstab für Armut wurde auf 60 Prozent des nationalen Durchschnittseinkommens festgelegt.

Die Zahlen wichen erheblich von den Zahlen ab, die nach der Methodik der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verarbeitet wurden.

In der von der Bertelsmann-Stiftung geförderten deutschen Studie ergab die Studie der Ruhr-Universität, dass 68 Prozent der Alleinerziehenden von Armut bedroht sind. Nach den OECD-Methoden lag die Zahl bei nur 46 Prozent.

Die Ergebnisse deuten auch darauf hin, dass die Kluft zwischen reichen und armen Haushalten hatte seit 1991 stärker zugenommen als die OECD-Studien angedeutet hatten.

Die Daten stammen vom Bundesamt für Statistik und dem Sozio-oekonomischen Panel des Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin, das statistische Erhebungen von Haushalten durchführt.

Wege zur Bekämpfung von Kinderarmut

Bertelsmann-Stiftungsvorstand Dr. Jörg Dräger forderte am Mittwoch eine grundlegende Neuausrichtung des Systems von Kindergeld und Zulagen, das sich in der Vergangenheit kaum auf das Wohl der Familien ausgewirkt habe. Er sagte, es sei notwendig, die finanzielle Unterstützung auf einkommensschwache Familien zu konzentrieren.

Katarina Barley, die in der Vorgängerregierung als Bundesfamilienministerin tätig war, bezeichnete Kinderarmut als “eines der drängendsten Probleme in unserem Land”. Alleinerziehenden Eltern und Familien mit niedrigem Einkommen sollte mehr geholfen werden, sagte sie. Der SPD-Politiker forderte auch eine Reform des Kindergelds, für kostenlose Kindertagesstätten und einen gesetzlichen Anspruch auf Vollzeitbetreuung von Grundschulkindern.

Katrin Göring-Eckardt von der Grünen-Partei forderte “umfassende Lösungen” für Kinderarmut, von denen sie sagte, dass sie die Chancen der Kinder für später in ihrem Leben behindern.

Die Linkspartei rief zu einer Erhöhung des Mindestlohns auf, um die sogenannte “elterliche Armut” anzugehen.

Das Kinderhilfswerk hat aufgrund der guten Wirtschaftslage eine bessere Verteilung der verfügbaren Mittel gefordert und garantiert ein Existenzminimum für Kinder unabhängig von den finanziellen Mitteln ihrer Familien.

Evangelische Kirche Diakonie Deutschland sagte, die Studie forderte eine Überprüfung der Regierungspolitik gegenüber Familien. Neben einer Grundzahlung für jedes Kind sollte weitere Hilfe wie Wohngeld oder Schulgeld zur Verfügung stehen.

jm / aw (dpa, KNA)