/DDR-Auto Trabant: 60. Geburtstag des Trabis Kleine Sensation aus Duroplast

DDR-Auto Trabant: 60. Geburtstag des Trabis Kleine Sensation aus Duroplast

— 06.11.2017

Kleine Sensation aus Duroplast

Vom Massenauto der DDR zum Kultobjekt: Der Sachsenring Trabant hat viel hinter sich. Zum 60. Geburtstag kommen hier die schönsten Trabi-Fotos.

Sein Markenzeichen ist die bräunliche Auspufffahne und das “Reng-teng-teng” des Zweitakt-Motors: Am 7. November 2017 ist es 60 Jahre her, dass mit dem P50 in Zwickau der erste Trabant vom Band lief. Der kleine Wagen war gemäß der Vorgabe des DDR-Minsterrats robust, sparsam und preiswert und machte bis 1989 mit mehr als drei Millionen gebauten Exemplaren den Osten mobil. Außerdem konnte er damals technisch durchaus mit den Konkurrenten seiner Zeit mithalten, auch mit denen aus der Bundesrepublik.

Trabant fahren: Immer im Rhythmus der zwei Takte

Der Meistgebaute: Ein Trabant der Baureihe 601. 1964 startete die Produktion der zweitürigen Limousine.

Kernstück ist der knatternde Zweitakter mit zuletzt 26 PS (im Trabant P 601). Laufleistung: durchschnittlich 80.000 Kilometer. Wer bergab den Freilauf nicht einschaltete, riskierte einen Kolbenfresser, weil der Motor nicht ausreichend geschmiert wurde. Verbrauch an Zylinderkopfdichtungen: viele, denn der als Rennpappe bekannte luftgekühlte Trabant kam ganz schön auf Touren. Ebenfalls gewöhnungsbedürftig: Bis 1984/85 hatte der Trabi Kontakte, die alle 10.000 Kilometer neu eingestellt werden mussten. Erst danach kam eine elektronische Zündanlage.

Trabant, Wartburg und Co: Die bunte Autowelt der DDR

Modellgeschichte: Januar 1954 DDR-Ministerrats-Entscheidung zum Bau des Kleinwagens P 50 (Personenwagen mit 500-Kubik-Zweitaktmotor) Juli 1955 Zwischenlösung P 70 mit 700 Kubik und 22 PS Oktober 1958 Vorstellung des Ur-Trabant P 50 auf der Leipziger Messe: 18 PS, 90 km/h, 6,8 Liter Verbrauch, Preis: 8360 Mark April 1960 Umbenennung P 500 (P 50/2) und Kombi-Version Universal Januar 1963 Umbenennung in P 600 mit größerem Motor und 23 PS Januar 1964 Nachfolger P 60/1 – P 601 – wird 18 Zentimeter länger März 1990 Facelift nach 26 Jahren; neuer 1,1-l-Motor vom VW Polo mit 40 PS April 1991 Produktionsende nach über drei Millionen Exemplaren.

Gebrauchtwagensuche: Trabant

Duroplast statt Blech, Rost gab es trotzdem

Trabant im Rallye-Einsatz: So rannte die “Pappe” zu zahlreichen Erfolgen im Motorsport.

Mit Hilfe welch einfacher Mittel die “Rennpappe” entstand, schildert der inzwischen verstorbene Trabi-Chefkonstrukteur Werner Lang in einer Dokumentation mit dem Titel “Wolle auf Asphalt – Das Experiment Trabant”. So entwickelten die Konstrukteure zum Beispiel die berühmte Kunststoff-Karosserie aus Duroplast, weil Blech in der DDR Mangelware war. Zum Symbol für Sozialismus und Planwirtschaft wurde der Trabant nicht nur wegen seiner Präsenz im Straßenverkehr der DDR, sondern auch, weil die Staatsführung schon kurz nach dem Erfinden seine Weiterentwicklung bremste. Erst Ende der 80er bekam der Trabi einen Viertaktmotor von Volkswagen eingepflanzt. Doch da war die DDR politisch wie wirtschaftlich dem Ende bereits nahe und das restliche Auto vollkommen veraltet.

Vom Massenauto zum seltenen Kultobjekt

Endstation Schrottplatz: Viele Trabant wurden nach der Wende aussortiert.

Es folgten traurige Tage als verlachtes, weggeworfenes Verkehrshindernis. Doch die sind längst vorbei. Aktuell sind 34.500 “Rennpappen” bundesweit zugelassen, Tendenz steigend. Liebhaber und Clubs wie das Internationale Trabant-Register pflegen fahrbereite Exemplare leidenschaftlich und bringen nach und nach Exemplare zurück auf die Straße. Unternehmen wie der Online-Händler Trabantwelt entstanden, der Ersatzteile nachfertigen lässt und Ersatzteil-Pakete bis in die USA, nach Russland, Namibia oder Australien verschickt. Und es interessieren sich laut Wolffang Kießling, dem Vorsitzenden des Internationalen Trabant-Registers, immer mehr junge Menschen für die “Pappe”. Auch Tuner, die das alte Mobil mit viel Kreativität in die Neuzeit holen.

Das sagt ein Kenner zum Trabant

Gerade seine Einfachheit macht den Trabi heute interessant. Schwächen werden zu liebenswürdigen Eigenheiten. 

Hans-Dieter Weichel, Kfz-Meister für Trabant, beschrieb die Faszination des Trabis 2001 für AUTO BILD so: “Der Trabant war die Seele der DDR und deswegen ein Kultobjekt wie der Käfer. Seine Uralttechnik ist einfach, aber pflegebedürftig. Dazu zählen die porösen Benzinschläuche, der gammelnde Auspuff, die kaputten Zylinderkopfdichtungen und der undichte Simmerring an der Getriebeseite vom Motor. Gefährlicher sind die rostigen Bremsleitungen. Und auch gerissene Mittelstege an der Bodengruppe sind keine Seltenheit. Ansonsten ist der 601 unverwüstlich, solange er bewegt wird. Wenn er rastet, rostet er, und das gilt vor allem für die Trommelbremsen und den Motor, der wie geschmiert läuft – wenn er läuft.” Anlässlich des runden Geburtstags zeigt AUTO BILD KLASSIK die schönsten Trabi-Fotos!

(Mit dpa)