/ComputerCamp in Hohegeiß: Code und Spiele

ComputerCamp in Hohegeiß: Code und Spiele

ComputerCamp in Hohegeiß: Code und Spiele


Martin Reche

Im ComputerCamp in Hohegeiß arbeiten die Kinder auch mit der Unreal-Engine.

(Bild: heise online, Martin Reche)

Das ComputerCamp lädt jedes Jahr während der Sommerferien Kinder und Jugendliche ein, um gemeinsam Spiele zu designen, Let’s Plays aufzunehmen und zu coden. Wer nun denkt, dass die Kinder von Morgens bis Abends vor dem Computer sitzen, irrt gewaltig.

“Fang”, ruft einer der Teilnehmer des ComputerCamps für Kinder und Jugendliche von 10-17 Jahren in Hohegeiß im Harz. Mit einem gewaltigen Sprung erwischt sein Gegenüber das Frisbee trotz strömenden Regens ohne Probleme. Die ersten Eindrücke entsprechen nicht unbedingt dem Bild, das man vielleicht mit dem Wort “Computercamp” im ersten Augenblick assoziiert.



Ein mittelalterliches Bett konstruiert mancher Kursteilnehmer mit wenigen Mausklicks in Blender.

Ein mittelalterliches Bett konstruiert mancher Kursteilnehmer mit wenigen Mausklicks in Blender.

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Bild: heise online (Martin Reche)


“Während eine Hälfte der Teilnehmer in kleinen Gruppen Computerkurse besucht, bieten wir für die andere Hälfte parallel verschiedene Freizeitaktivitäten an”, sagt Christian Gerstgrasser, Geschäftsführer des ComputerCamps. Außer Ultimate Frisbee stehen unter anderem Wikingerschach und Impro-Theater auf dem Programm und bilden einen bewegungsreichen Gegenpol zu den Computerkursen. An drei Standorten findet das ComputerCamp während der Sommerferien statt: Wald am Arlberg in Österreich, Föckinghausen in Nordrhein-Westfalen und seit diesem Jahr im Schullandheim- und Jugendheim Hohegeiß in Niedersachsen.

Drei Wagenladungen Technik

Die technische Ausrüstung muss jedes mal mitgebracht und von neuem aufgestellt werden. Alle Standorte werden für die Zeit der Camps angemietet. Laptops, Beamer, WLAN-Router et cetera füllen drei Kleintransporter, der Aufbau dauert einen halben Tag. Die Technik befindet sich auf dem neuesten Stand.

So arbeiten die Teilnehmer der 3D-Gamedesign-Kurse etwa auf Laptops mit i7-Quad-Core der neuesten Generation, massig RAM und GeForce GTX1050 Grafikkarte. Marc und Wilhelm müssen daher nicht befürchten, dass ihr 3D-Spiel anfängt zu ruckeln, das sie mit der Unreal Engine gestalten: “In unserem RPG soll ein Held die Welt vor einem Monster retten, das die Welt zerstören will”, sagt Marc.

Die Stimmung im Spielentwurf passt: Die 10- und 11-jährigen Nachwuchsdesigner haben die ersten Gebäude im Level platziert, Bäume verlieren Blätter im Wind und stimmungsvolle Musik mit Mittelalter-Toch unterstreicht die Fantasy-Atmosphäre. Damit die Inneneinrichtung der Gebäude historisch passt, konstruiert Wilhelm in Blender kurzerhand ein einfaches Holzbett, das sie später in ihr Spiel importieren werden.

Coding

Während im Freizeitraum auf dem Dachboden eine Gruppe Wikingerschach spielt, coden Teilnehmer in einem Seminarraum mit Microsoft Visual Studio “Wer wird Millionär” nach ihrem Geschmack nach. Adrian hält sich dabei eng an das Fernsehquiz und hat Hintergrund und das Layout der Antwortmöglichkeiten denen der Gameshow nachempfunden. “Später sollen sich noch die Hintergründe passend zu den Fragen verändern”, sagt der 13-jährige. “Geht es um einen Fluss, soll dieser dann auch zu sehen sein.”



2D-Spieleprogrammierung ist fester Bestandteil des ComputerCamps.

2D-Spieleprogrammierung ist fester Bestandteil des ComputerCamps.

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Bild: heise online (Martin Reche)


Wenn es mal im Code klemmt, helfen die Betreuer und Teamleiter. Sie auch Ansprechpartner für alles, was über die Kurse hinaus geht: Abends gehen die Betreuer nochmal in die Zimmer der Teilnehmer und besprechen mit ihnen den Tag und schauen ob alles in Ordnung ist oder ob jemand Heimweh hat.” Auch für medizinische Sonderfälle sind die Betreuer gewappnet: “Bei uns verbringen immer wieder beispielsweise auch Kinder mit Autismus einen Teil ihrer Ferien, das hat bisher immer ohne Probleme geklappt”, sagt Gerstgrasser.

Urlaub im Camp

Die Mischung aus Computerkursen und Freizeitaktivitäten jenseits des Bildschirms ist beliebt, die Camps sind an allen Standorten regelmäßig ausgebucht und viele Kinder kommen in den folgenden Jahren wieder. Dazu trägt auch das Modulsystem bei, aus dem sich die Teilnehmer im Vorfeld die Kurse aussuchen können, die ihnen am besten gefallen und vom Schwierigkeitsgrad passen.



Ohne Raspi und Breadboard geht gar nichts.

Ohne Raspi und Breadboard geht gar nichts.

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Bild: heise online (Martin Reche)


Aus Teilnehmern werden später auch immer wieder Betreuer, die sich teilweise Urlaub von ihren eigentlichen Jobs nehmen, um beim ComputerCamp helfen zu können. Markus Klösges bildet beinahe eine Ausnahme: Er ist direkt als Betreuer eingestiegen und leitet das Camp in Hohegeiß während seiner vorlesungsfreien Zeit: Eigentlich müsste er für seine Klausuren lernen. Auf die Frage, ob das nicht zu viel Stress sei, schüttelt Klösges den Kopf. Durch die hohe Anzahl an Betreuuern habe man auch immer mal wieder die Möglichkeit, individuelle Pausen einzulegen, wenn es zu anstrengend wird. Der Betreuungsfaktor liegt bei acht zu eins, rund 60 Kinder besuchen pro Woche eines der Camps, insgesamt sind es über 800 Teilnehmer pro Jahr.

Keine Kostenfrage

Auch wenn Betreuer, Technik, Miete und Transport viel Geld kosten, schreibt das ComputerCamp keine roten Zahlen: “Wir arbeiten kostendeckend und sind nicht auf Sponsoren angewiesen”, sagt Gerstgrasser und ergänzt: “Überschüsse werden direkt ins Camp reinvestiert.” Den Großteil des Geldes spülen die Kursgebühren in die Kasse, bei den Notebooks sparen die Organisatoren Geld ein, indem sie nicht alle Geräte kaufen, sondern teilweise für die Camps anmieten.

Auf in die Schlammschlacht

Beim Verlassen des Geländes zieht es eine Gruppe um Markus Klösges nach draußen in den immer noch strömenden Regen: “Wir machen jetzt einfach eine Schlammschlacht”, sagt er lachend, während drinnen an Sprites und Pixelgrafiken für 2D-Jump’n’Runs gearbeitet wird und Trickshots aufgezeichnet werden.


(mre)