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China nimmt angeblich Bitcoin-Miner ins Visier

Kohlekraftwerk

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Chinesischen Behörden sind die dezentralen, staatenlosen Kryptowährungen schon seit langem ein Dorn im Auge. Nun wollen sie wohl auch gegen die zahlreichen Miner vorgehen, die dort in Rechenzentren nach Kryptogeld schürfen.

Dank billigem Strom findet ein erheblicher Teil des Minings von Kryptowährungen in Rechenzentren in China statt – doch damit könnte es Berichten nach bald vorbei sein. Demnach soll eine 2016 eingerichtete nationale Aufsichtsbehörde für digitale Finanzen die lokalen Behörden aufgefordert haben, Druck auf dortige Mining-Rechenzentren auszuüben. Das schreibt die chinesische Tageszeitung China Daily unter Berufung auf einen hochrangigen Mitarbeiter der chinesischen Zentralbank. Es gehe letztlich darum, die Miner zu einem geordneten Ausstieg aus der Erzeugung von Kryptowährungen zu bringen.

Einige Miner sollen dem Bericht zufolge bereits amtliche Schreiben erhalten haben, die ihnen mitteilten, dass sie ihren Stromverbrauch verringern sollten. Manche davon hätten auch schon Teile ihres Miningbetriebs an andere Standorte verlagert, etwa die Mongolei, die auch mit günstigem Strom vor allem aus Kohle und geringer Flächenmiete punkten könne. Vergangene Woche hatten bereits Bloomberg und Reuters darüber berichtet, dass die chinesische Zentralbank die Finanzaufsichtsbehörde wegen des hohen Stromverbrauchs der Miner zu Gegenmaßnahmen aufgefordert habe. Größere Mining-Betreiber wie etwa ViaBTC und Btc.Top würden laut Bloomberg auch schon Rechenzentren in den USA, Kanada und Island eröffnen.

Via Twitter kursieren inzwischen auch zwei Behördendokumente. Darin werden unter anderem Vorkehrungen wie Grundsteuern, Umweltschutzvorschriften, Strompreise und ähnliches als Hebel in Spiel gebracht, um die Miner zum Aufgeben zu bewegen. Monatlich sollen Informationen über die Mining-Rechenzentren weitergeben und geprüft werden, wie viele davon bereits geschlossen hätten. Eins der Dokumente bestätigte ein Mitarbeiter eines lokalen Zweigs der Finanzaufsichtsbehörde gegenüber dem Onlinemagazin Quartz als authentisch.

Sofern die Berichte zutreffen, fügt sich das in das Bild des harten Regimes, das China gegenüber dezentralen Kryptowährungen fährt. Als Zahlungsmittel sind diese seit Jahren verboten, vergangenes Jahr wurde auch die dem Crowdfunding ähnliche Investmentform der Initial Coin Offerings untersagt. Kurz darauf gaben auch die lange Zeit den weltweiten Handel dominierenden Kryptogeld-Börsen Chinas ihren Betrieb auf beziehungsweise verlagerten diesen – Grund wird auch hier Druck der Behörden gewesen sein.

Zurzeit stammt noch ein erheblicher Teil der Rechnerleistung für das Mining aus China. Schätzungen sprechen von mehr als zwei Dritteln der aktuell über 15.000 Petahash/s umfassenden Leistung des Netzwerks. Ebenfalls ist die Mehrheit der Miningpools in China beheimatet, in denen sich Miner zu einem Rechnerverbund zusammenschließen. Mit Bitmain kommt auch einer der wichtigsten Hersteller entsprechender Hardware von dort.

Selbst wenn die chinesischen Schürfer wirklich alle die Picke ins Korn werfen, würde das aber etwa für den Bitcoin nicht gleich das Ende bedeuten: Die Schwierigkeit der Berechnung, die Miner hier absolvieren müssen, passt sich rund alle 14 Tage an die im Netzwerk versammelte Hashingleistung an. Fällt die um zwei Drittel, fällt auch die Schwierigkeit um den gleichen Faktor. Bis zum nächsten Anpassungspunkt könnten sich aber in so einem Fall die aktuell schon erheblichen Kapazitätsengpässe des Bitcoinnetzwerks noch krasser zuspitzen.


(axk)