/China auf der Überholspur

China auf der Überholspur

China auf der Überholspur


Finn Mayer-Kuckuk, Lea Deuber

China will Weltmarktführer bei grüner Technologie werden. Nach der Solarbranche könnte nun der Batteriemarkt für Elektroautos in chinesische Hände wandern.

China ist damit auf einem guten Weg, zur Supermacht bei Klimaschutztechnologien zu werden – so abwegig das klingt für die Nation mit dem höchsten Kohlendioxidausstoß weltweit. Das berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (jetzt im Handel und im heise shop erhältlich).

TR 9/2017

Der Text stammt aus der September-Ausgabe von Technology Review (ab 17.8. im Handel und im heise shop erhältlich). Weitere Artikel des Hefts:

“In Peking werden die Ergebnisse der Wissenschaft nicht infrage gestellt”, sagt Li Shuo von Greenpeace in Peking. Denn die Folgen des Klimawandels sind schon heute in China sichtbar. Im westchinesischen Hochland von Tibet schmelzen die Gletscher, in den Hafenstädten Shanghai und Guangzhou steigt der Meeresspiegel. Dazu kommen Schlagzeilen über vergiftete Böden und Wassermangel sowie Bilder vom Smog in Großstädten. “Die wachsende Mittelschicht will die Belastungen nicht mehr hinnehmen”, sagt Li.

Saubere Technologien als Chinas Ausweg

Größter Treiber hinter dem Wandel ist aber nicht der Ökotrip Pekings, sondern der Umbau der chinesischen Wirtschaft, erläutert der Umweltexperte. In den letzten 30 Jahren ist sie in rasantem Tempo gewachsen. Die Entwicklung wurde vor allem von niedrigen Löhnen und einem hohen Export getrieben. Durch steigende Löhne verliert das Land nun seine Wettbewerbsfähigkeit.

Saubere Technologien sollen nun der Ausweg sein. Wenn die chinesische Führung ein Wirtschaftsziel als wichtig erkannt hat, dann verfolgt sie es in einer nationalen Kraftanstrengung, und die Elektromobilität steht in zahlreichen Masterplänen ganz oben. Der “Mittel- und Langfristplan für die Entwicklung von Wissenschaft und Technik” hat 2006 bereits die Grundlagen gelegt. Schon damals begünstigte eine Kombination aus Subventionen und Protektionismus den Aufbau eigener Anbieter. Der bekannte Autoproduzent BYD aus Shenzhen ging beispielsweise aus diesem Konzept hervor. Vier Jahre später definierte der chinesische Staat Elektromobilität als eine von sieben “strategischen Wachstumsbranchen”.

China zieht an bei Batterien

Derzeit ist der Markt für Lithium-Ionen-Batterien noch in der Hand von japanischen oder südkoreanischen Firmen wie Tesla-Partner Panasonic, LG oder Samsung. Hersteller wie BYD und Lishen fahren jedoch gerade ihre Produktion massiv hoch. Zusätzlich entstehen landesweit zahlreiche weitere Anbieter. Am schnellsten wächst derzeit der junge Hersteller CATL (Contemporary Amperex Technology Ltd.). Firmengründer Huang Shilin will “Leistungsführer und Preisbrecher zugleich” sein. CATL ist erst fünf Jahre alt, schickt sich jedoch schon an, Panasonic und Tesla zu überholen. Das Unternehmen hat seine Produktion im vergangenen Jahr verdreifacht und will in Kürze Batterien mit einer Kapazität von 50 Gigawattstunden jährlich produzieren. Mit ihren 35 Gigawattstunden ist Teslas Giga-Factory im Vergleich dazu nicht mehr besonders giga. Insgesamt wird China im Jahr 2020 auf ungefähr 174 Gigawattstunden kommen, schätzen Analysten des Branchendienstes Benchmark Mineral Intelligence.

Mehr dazu lesen Sie im China-Fokus der neuen Ausgabe von Technology Review (jetzt im Handel und im heise shop erhältlich.


(jle)