/Chef der Entschlüsselungsbehörde Zitis: Wir kaufen nichts auf dem Schwarzmarkt

Chef der Entschlüsselungsbehörde Zitis: Wir kaufen nichts auf dem Schwarzmarkt

Chef der Entschlüsselungsbehörde Zitis: Wir kaufen nichts auf dem Schwarzmarkt


Detlef Borchers

Will kein Bundeshacker sein: Zitis-Chef Winfried Karl.

(Bild: heise online/Detlef Borchers)

Bundeshacker wolle man nicht sein und Zero-Days wolle man auch nicht auf Grau- und Schwarzmärkten kaufen, betont Winfried Karl, Präsident der neuen Entschlüsselungsbehörde Zitis.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt im Rahmen der Konferenz Public IT-Security des Behördenspiegels verwahrte sich Winfried Karl, Präsident der Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich (Zitis) gegen die Bezeichnung seiner Mitarbeiter als Bundeshacker. “Es ist nicht Aufgabe von Zitis, Kommunikation unsicher zu machen”, betonte Karl in seiner Rede. Gegenüber heise online konkretisierte er: “Unsere Aufgabe ist gesetzlich festgelegt und gesetzesorientiert. Das bedeutet: Es gibt keinen Ankauf von 0-Days auf Grau- oder Schwarzmärkten. Es gibt keine Zusammenarbeit mit unseriösen Firmen.”

Seit Mitte August ist Winfried Karl offiziell der Präsident von Zitis, einer noch kleinen Behörde, die Bedarfsträger mit forensischer und biometrischer Software, aber auch mit Software für Überwachungsmaßnahmen versorgen soll. Wie Karl in seinem Vortrag zur vernetzten Sicherheit in der vernetzten Welt ausführte, ist Zitis keine Stelle mit operativen Befugnissen. Die Behörde, die einmal auf 400 Mitarbeiter “aufwachsen” soll, will hart an der Praxis ausgerichtete Forschung und Entwicklung betreiben. Momentan bestehe Zitis nur aus einem Aufbaustab und einem kleinen Team, das bis 2020 in einen Neubau auf dem Geländer der Universität der Bundeswehr in München ziehen soll. Karl: “Das ist eine einzigartige Lage, die Synergien befördert”.

“Wir sind ein reizvoller Arbeitgeber”

Neben dem organisatorischen Aufbau verfolge Zitis das Ziel, schnellstens einen Beirat seiner “Kunden” einzurichten, als da sind: Bundeskriminalamt, Bundespolizei, Bundesamt für Verfassungsschutz und die diversen Landeskriminalämter. Dieser Beirat soll den “Arbeitsplan” der Behörde festlegen. Gegenüber heise online erklärte Karl dazu: “Wir wollen schnell und agil das produzieren, wobei unser Beirat sagt, was wirklich gebraucht wird. Es kann keine Entwicklung am Kunden vorbei gehen, bei der man sich ein Jahr in ein stilles Kämmerchen zurückzieht”.

Bedenken, dass er bis zum Vollstart im Jahre 2022 Schwierigkeiten haben könnte, 400 Spezialisten zu finden, hat Karl nicht. “Wir sind ein reizvoller Arbeitgeber direkt an der Schnittstelle zwischen Praxis und der Forschung. Wer etwa nach seinem Master zu uns kommt, will genau diese Erfahrung in der Praxis sammeln und vielleicht dann seinen Doktor machen.”


(axk)