/Chance vertan! Schulz startet in “Elefantenrunde” in den Wahlkampf

Chance vertan! Schulz startet in “Elefantenrunde” in den Wahlkampf

In der sogenannten “Elefantenrunde” nach der Bundestagswahl 2017 attackierte Martin Schulz Angela Merkel scharf.
Bild: Kay Nietfeld/dpa

Angela Merkel dürfte es wie ein Déjà-vu vorgekommen sein, als der unterlegene Herausforderer Martin Schulz in der “Elefantenrunde” von ARD und ZDF auf sie losgeht. Einen “skandalösen” Wahlkampf habe die Kanzlerin geführt, poltert der SPD-Chef am Sonntagabend. Mit ihrer “systematischen Verweigerung von Politik” habe sie die AfD gestärkt. Merkel trage eine “große Verantwortung” für deren Erfolg, die Union habe eine “verdiente Niederlage” eingefahren.

Bundestagswahl 2017: Martin Schulz macht den Schröder bei “Elefantenrunde”

Vor zwölf Jahren hat Merkel etwas Ähnliches erlebt. Der damalige SPD-Kanzler Gerhard Schröder, gegen den sie gerade mit hauchdünner Mehrheit die Wahl gewonnen hatte, stellte sie in einer legendären Elefantenrunde als Verliererin da. Schröder wirkte wie berauscht von seiner Aufholjagd, die ihm fast in letzter Minute noch den Sieg gebracht hätte. Aber eben nur fast. Merkel wurde Kanzlerin und ist es bis heute geblieben.

Martin Schulz wettert bei “Elefantenrunde” gegen Angela Merkel

Der Unterschied zwischen Schröder damals und Schulz heute: Die Aufholjagd von Schulz dauerte nur wenige Wochen. Dann stürzte er in den Umfragen ab und bescherte seiner stolzen Partei jetzt das schlechteste Ergebnis der Nachkriegsgeschichte. “Meine Stimmung ist gut”, sagt Schulz nun trotzdem angriffslustig.

Schulz startet erst nach der Wahl in den Wahlkampf

Einen solchen Auftritt hätten sich viele in der SPD schon für das Fernsehduell vor der Wahl am 3. September gewünscht. Aber dieses einzige Duell geriet zum Duett. Die meisten Kommentatoren waren sich einig, dass sich da schon einmal die große Koalition für die nächsten vier Jahre warmlief.

In der “Elefantenrunde” dreht Schulz auf, spricht von der “Konfrontation”, die künftig zwischen einer linken Opposition unter Führung der SPDund einer Mitte-Rechts-Koalition nötig sei. Gemeint ist eine Jamaika-Koalition aus Union, FDP und Grünen. Den beiden potenziellen kleineren Koalitionspartnern gibt Schulz sogar Tipps für die wahrscheinlich bevorstehenden Verhandlungen mit Merkel: “Sie werden sich keine Sorgen machen müssen, Sie kriegen alles durch. Frau Merkel wird Ihnen sehr weit entgegen kommen.”

Angela Merkel nimmt Schulz-Kritik gelassen

So irritiert, wie Merkel damals auf Schröder reagierte, blickt sie auch diesmal wieder. Spöttisch schmunzelnd und ein wenig ungläubig folgt Merkel dem Redeschwall des SPD-Vorsitzenden. Sie sei ja “etwas traurig” über die negative Beschreibung der guten Arbeit der großen Koalition durch Schulz. Schließlich habe man für das Land doch “viel erreicht in nicht ganz einfachen Situationen”.