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CES: Smartphones: Rückschlag für Huaweis US-Ambitionen

Smartphones: Schwerer Dämpfer für Huaweis US-Ambitionen

Huaweis Smartphone-Chef Richard Yu auf der CES 2018.

(Bild: CTA)

Kurz vor der CES sind die Verhandlungen mit AT&T geplatzt. Mit der Unterstützung von Wonder Woman sollte das den Durchbruch bringen – doch Huawei kann seine Smartphones in den USA weiterhin nicht über einen Carrier verkaufen.

Das lief nicht wie geplant: Eigentlich wollte Richard Yu, CEO der Consumer-Business-Sparte des chinesischen Telekommunikationskonzerns Huawei, auf der CES in Las Vegas einen Durchbruch verkünden. Seit Monaten hatte Huawei mit einem der großen US-Netzbetreiber verhandelt, der 2018 seinen Kunden auch die Smartphones der Chinesen verkaufen sollte. Doch kurz vor der CES platzte der Deal mit AT&T – mutmaßlich auf Druck aus Washington. Die Geheimdienstausschüsse des Kongresses hatten sich im Dezember an die Regulierungsbehörde FCC gewandt und Sicherheitsbedenken geltend gemacht.

Das ist ein schwere Dämpfer für die ambitionierten Chinesen. Ohne einen Netzbetreiber wird Huawei es weiter schwer haben, seinen Marktanteil in den USA auszubauen. Wenn der Hersteller den im vergangenen Jahr angekündigten Angriff auf Apple nicht abblasen will, muss Huawei den US-Markt knacken, den Apple, Samsung und LG dominieren. Ohne einen Netzbetreiber wird sich das sehr mühsam gestalten: „Jeder weiß, dass hier 90 Prozent der Smartphones über die Carrier verkauft werden”, sagte Yu am Dienstag in Las Vegas.

Für den US-Start auf der CES war alles vorbereitet. Huawei hat die israelische Schauspielerin Gal Gadot (“Wonder Woman”) als Markenbotschafterin gewonnen. Das Mate 10 Pro ist bei den Testern gut angekommen und verkauft sich laut Hersteller auch besser als der Vorgänger, den Yu im vergangenen Jahr zur CES mitgebracht hatte. Mit einem Carrier-Deal hätte Huawei sich vielen US-Verbrauchern als echte Alternative zu Apple und Samsung anbieten und den Abstand zu den beiden Marktführern vielleicht verringern können.

Smartphone-Verkäufe Q3 2017 nach Hersteller, Gartner
Hersteller Geräteabsatz Marktanteil Geräteabsatz Marktanteil Absatz +/-
3. Quartal 2017 3. Quartal 2016
Samsung 85,61 Mio. 22,3 % 71,73 Mio. 19,3 % +19,3 %
Apple 45,44 Mio. 11,9 % 43,00 Mio. 11,6 % +5,7 %
Huawei 36,50 Mio. 9,5 % 32,49 Mio. 8,7 % +12,3 %
Oppo 29,45 Mio. 7,7 % 24,59 Mio. 6,6 % +19,8 %
Xiaomi 26,85 Mio. 7,0 % 14,93 Mio. 4,0 % +79,9 %
Andere 159,55 Mio. 41,6 % 185,50 Mio. 49,8 % -14,0 %
Gesamt 383,40 Mio. 372,24 Mio. +3,0 %
Quelle: Gartner, November 2017

Einem Medienbericht zufolge verhandelt Huawei zwar noch mit einem weiteren der großen Carrier, doch soll auch dieser mögliche Deal mit Verizon unter keinem guten Stern stehen. Richard Yu blieb daher nur, auf der CES anzukündigen, dass es das Mate 10 Pro für 800 US-Dollar nun im Einzelhandel gibt. Zwar sind Huawei-Smartphones in den USA bei großen Ketten wie Best Buy und bei Amazon gelistet, doch läuft das Geschäft hauptsächlich über die Netzbetreiber, die Smartphones mit ihren Tarifen über mehrmonatige Ratenverträge verkaufen. Das gilt auch für Huaweis Tochtermarke Honor, die mit einigen Geräten auf dem US-Markt aktiv ist.

Am Ende seiner knapp einstündigen CES-Keynote zeigte sich Yu dennoch kämpferisch. „Wir wollten heute die Partnerschaft mit einem US-Carrier ankündigen”, sagte Yu im vollgepackten Palazzo Ballroom des Venetian Hotels. „Viele werden die Nachricht gelesen haben. Unglücklicherweise können wir derzeit unsere Smartphones nicht über die Carrier verkaufen.” Das sei schade für Huawei und die Netzbetreiber. „Aber es ist ein noch größerer Verlust für die Verbraucher, die nicht die beste Auswahl haben.”

Das schwierige Geschäft mit den US-Netzbetreibern kennt Huawei. Der Konzern hat sich als Anbieter von Netztechnik für Mobilfunker inzwischen an Nokia und Ericsson vorbeigeschoben. Doch in den USA hat das seit Jahren anhaltende Misstrauen der US-Regierung gegenüber chinesischer Infrastruktur den Durchbruch bisher verhindert. Zwar rüstet Huawei auch einige kleinere Netzbetreiber aus, doch die großen “Tier 1”-Carrier kaufen ihr Equipment lieber woanders ein.

Yu setzt nun auf Vertrauensbildung, was für die Ausrüstersparte außerhalb der USA schon funktioniert hat. „In meinen 25 Jahren bei Huawei habe ich gesehen, wie aus einem kleinen Unternehmen der größte und stärkste Telecom-Ausrüster der Welt wurde”, erzählte Yu. Nach den China und anderen Schwellenländern habe Huawei schließlich auch die großen Carrier in Europa überzeugt. „Über die Jahre haben wir bewiesen, dass wir für Qualität, Sicherheit und den Schutz der Privatsphäre stehen.” Huawei kann nun nur hoffen, dass auch die US-Regierung das irgendwann so sieht.


(vbr)