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Bundestagsbericht zum 3D-Druck: Potenzial für die Industrie, Gefahr durch selbstgedruckte Waffen

Bundestagsbericht zum 3D-Druck: Potenzial für die Industrie, Gefahr durch selbstgedruckte Waffen


Stefan Krempl

Bereits 1300 Ersatzteile der Deutschen Bahn kommen aus 3D-Druckern.

(Bild: dpa, Sophia Kembowski)

Das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag schreibt “additiven Fertigungsverfahren” wie Rapid Prototyping vor allem in der Industrie großes Potenzial zu. Selbstgedruckte Waffen könnten aber ein massives Problem werden.

“Der universelle Replikator, der jeden gewünschten Gegenstand quasi von selbst materialisiert, ist ein weitverbreitetes Zukunftsnarrativ”, stellt das Büro für Technikfolgenabschätzung beim Bundestag (TAB) in einer jetzt veröffentlichten Analyse zu “additiven Fertigungsverfahren” alias 3D-Druck fest. Derlei Techniken “scheinen diese Zukunft möglich zu machen”, meinen die Experten. Es erstaune daher nicht, dass vor allem 3D-Drucker in der Öffentlichkeit und den Medien “eine enorme Faszination” auslösten.

Die Wissenschaftler selbst sprechen der Technik bei einem flächendeckenden Einsatz von Fertigungsverfahren wie Rapid Prototyping oder Manufacturing gerade in der industriellen Serienproduktion viel Potenzial zu. Sie erwarten, dass ein entsprechender Serieneinsatz erhebliche strukturellen Veränderungen in den bestehenden Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsketten zur Folge habe.

Von Dentaltechnik bis Prototypenbau

Die damit verknüpfte “industrielle Revolution” habe in Teilbereichen wie im Prototypen- und Werkzeugbau schon stattgefunden oder sei etwa in der Dental- und Hörgerätetechnik “aktuell im vollen Gange”, arbeiten die Forscher heraus. In anderen Sektoren wie der Luftfahrt und Medizintechnik stehe ein solcher Durchbruch “vor der Tür” oder gelte zumindest als sehr wahrscheinlich wie bei der Ersatzteilproduktion. “In einigen Branchen und Anwendungsfeldern könnten sich die Erwartungen aber auch als stark überzogen und rückblickend als Hype erweisen”, blickt das TAB skeptisch etwa auf Pläne für Häuser oder Ersatzorgane aus 3D-Druckern. Von einer Idee bis zum marktfähigen Produkt sei es nämlich auch bei additiven Fertigungsverfahren “ein weiter, oft mühevoller Weg”.

So rückt laut den Wissenschaftlern prinzipiell zwar selbst das vielfach verbreitete Heimszenario in den Bereich des Vorstellbaren, dass 3D-Drucker “weit über die technikaffine Maker-Bewegung hinaus großflächige Verbreitung auch bei weniger technikversierten Privatanwendern finden”, die künftig ihren Bedarf an diversen Alltagsprodukten wie Geschirr, Einrichtungsgegenstände oder Modeaccessoires “im wachsenden Maße durch Eigenproduktion decken”. Unabdingbare Voraussetzung dafür wäre nach Ansicht der Experten aber “eine substanzielle Weiterentwicklung der Technologie, denn heute verfügbare Geräte erlauben bestenfalls die Herstellung einfacher Objekte aus Kunststoff”.

Konventionelle Massenfertigung bleibt preiswerter

Selbst wenn diese Hürde genommen werde, sei das Modell des “Homo Fabber” unwahrscheinlich, heißt es in dem gut 240-seitigen Bericht weiter. Der Konsument der Zukunft werde also wohl nicht seinen Warenbedarf größtenteils zu Hause selbst herstellen. Für die allermeisten Produkte wäre dies auch gar nicht sinnvoll, da sie mit den Methoden der konventionellen Massenfertigung weiterhin “preiswerter, schneller, ressourcenschonender und in Bezug auf die Produktqualität und -sicherheit besser herzustellen sein werden”. Realistischer sei, dass die überwiegende Zahl der privaten Nutzer 3D-Drucker nur gelegentlich verwende, um etwa aus dem Internet “originelle Geschenke, individuelles Spielzeug oder einfache, schnell benötigte Ersatzteile zu fertigen”.

Der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung des Parlaments hatte das TAB mit einer Untersuchung der Chancen und Risiken der additiven Fertigung “unter technologischen, ökonomischen, ökologischen, gesellschaftlichen und rechtlichen Gesichtspunkten beauftragt”. Die Forscher warnen so auch, dass mit der Technik “Gefahren vor allem sicherheitstechnischer Art” einhergingen. Sie setzen sich etwa mit Befürchtungen auseinander, dass additive Fertigungsverfahren dazu missbraucht werden könnten, “unerlaubt Gegenstände zu fertigen, die der staatlichen Kontrolle unterliegen”.

Selbstgedruckte Schusswaffen

Dabei werde “insbesondere die Herstellung von Schusswaffen durch Privatpersonen oder andere nichtstaatliche Akteure mit kriminellen oder terroristischen Absichten” problematisiert, halten die Experten fest. Obwohl Versuche gezeigt hätten, dass mit heute handelsüblichen 3D-Druckern gefertigte Pistolen allenfalls “sehr unzuverlässig funktionieren”, dürften angesichts des schnellen technischen Fortschritts in diesem Feld die Risiken nicht unterschätzt werden.

“Solche Waffen lassen sich nicht nur vergleichsweise einfach und im Verborgenen auch von Personen ohne spezifische Waffenkenntnisse herstellen, sondern sie bestehen auch weitestgehend aus Kunststoff und sind somit mit Metalldetektoren nur schwer zu erkennen”, erläutert das TAB. Existierende Sicherheitssysteme etwa an Flughäfen sowie staatliche Schutz- und Kontrollmechanismen wie die Pflicht zur Waffenregistrierung könnten so “vergleichsweise einfach ausgehebelt werden”.

Auch im militärischen und sicherheitspolitischen Kontext sehen die Wissenschaftler den 3D-Druck skeptisch. Aufgrund ihrer ausgeprägten Flexibilität seien Rapidverfahren “prädestiniert für Dual-Use-Anwendungen” im zivilen und militärischen Bereich. Denkbar sei etwa, dass Länder beziehungsweise nichtstaatliche Akteure komplexe Komponenten moderner Waffensysteme wie Drohnen oder Triebwerke für Lenkraketen und andere Rüstungsgüter vergleichsweise einfach selbstständig fabrizierten. Bestehende Ausfuhrbeschränkungen für sensible Rüstungs- und Dual-Use-Güter könnten “aufgrund der hochgradig virtuellen additiven Prozesskette unterlaufen werden”.


(axk)