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Broadcom will Qualcomm für 130 Milliarden US-Dollar kaufen

Qualcomm

Ein Broadcom BCM2837 auf einem Raspberry Pi 3 Model B

(Bild: dpa, Andrew Gombert/Archiv)

Fast in jedem Smartphone steckt Technologie des Chipkonzerns Qualcomm drin. Die Firma wird jetzt zum Ziel eines feindlichen Übernahmeversuchs. Dabei drückte ein erbitterter Streit mit Apple zuletzt den Aktienpreis.

Im Chipgeschäft bahnt sich die bisher größte Übernahme an: Broadcom will für 130 Milliarden Dollar den Konkurrenten Qualcomm kaufen. Es ist der Versuch einer feindlichen Übernahme gegen den Willen von Qualcomm. In dem Gesamtpreis sind auch Schulden von 25 Milliarden Dollar enthalten, wie Broadcom am Montag mitteilte. Das Geschäft könnte noch am Widerstand von Qualcomm oder Einwänden von Regulierern scheitern.

Das Angebot liegt bei 70 Dollar pro Qualcomm-Aktie. Das Papier war am Freitag bei 61,81 Dollar aus dem Handel gegangen. Qualcomm ist im Großteil der Smartphones und Tablet-Computer mit Kommunikations-Chips vertreten, die für die Verbindung zu Netzen sorgen. Zudem stellt das Unternehmen in vielen Telefonen auch den Hauptprozessor und verdient Geld mit Patentlizenzen auf diverse Technologien.

In der Qualcomm-Bilanz sorgen die Chips für den Großteil der Erlöse – der Gewinn wird aber vor allem mit den Lizenzen erzielt. Da sich das Geschäft von Qualcomm und Broadcom an vielen Stellen überschneidet, gehen Experten davon aus, dass die Regulierungsbehörden den Mega-Deal scharf prüfen werden. Ein neues gemeinsames Unternehmen könnte unter anderem eine Schlüsselposition beim kommenden schnellen 5G-Datenfunk einnehmen.

Das Angebot wurde auch möglich, weil Qualcomm seit Monaten in einem eskalierenden Streit mit Apple steckt, der die Geschäftszahlen der Chipfirma schmälerte und den Aktienpreis nach unten trieb. Der iPhone-Konzern weigert sich, an Qualcomm einen Prozentsatz vom kompletten Gerätepreis abzuführen. Apple argumentiert, damit wolle Qualcomm an Technologien verdienen, die bei Apple selbst erfunden worden seien. Der Halbleiter-Konzern kontert, in den Apple-Geräten steckten Qualcomm-Technologien nicht nur in den Chips. Die Unternehmen verklagten sich gegenseitig in mehreren Ländern.

Vergangene Woche nun ließ ein Medienbericht, wonach Apple in kommenden Generationen seiner Geräte ganz ohne Qualcomm-Chips auskommen wolle, die Aktie der Chipfirma an einem Tag um sieben Prozent absacken. Branchenbeobachter schließen nicht aus, dass Broadcom nach einer Übernahme von Qualcomm den Streit beilegen könnte.

Die von Qualcomm angestrebte Übernahme des Chipspezialisten NXP für 39 Milliarden Dollar will Broadcom fortführen. Für sie gibt es bisher keine Zustimmung der Regulierer – und zudem wollen einige NXP-Aktionäre mehr Geld.
(dpa) /


(axk)