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Brabus 700 (2017): Test 612 PS sind nicht genug

— 14.09.2017

612 PS sind nicht genug

Wenn 612 PS in einer Mercedes E-Klasse nicht reichen, hilft Edeltuner Brabus weiter. Dieser schwarze E 63 S hat 700 PS – AUTO BILD macht die Sitzprobe!

3,4 Sekunden braucht ein serienmäßiger Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+ für den Sprint auf 100 km/h. Das reicht Brabus nicht – und so tastet sich der Tuner an die magische Drei-Sekunden-Marke heran. Der Brabus 700 schafft den Sprint auf Landstraßentempo in 3,2 Sekunden. Vor nicht allzu langer Zeit waren solche Werte der absoluten Supersportwagen-Elite vorbehalten. Im Jahr 2017 fährt eine viertürige Limousine solche Zeiten. Sogar das noch schwerere T-Modell des E 63 S braucht nach der Brabus-Behandlung nur eine Zehntel länger.

Für den Brabus 700 gibt es verschiedene Schmiederäder – auf Wunsch bis zu 21 Zoll groß.

Dazu wird der Vierliter-V8-Biturbo in der ersten Ausbaustufe auf 700 PS und 950 Nm (Serie E 63 S: 612 PS und 850 Nm) gepusht. Erreicht werden die 88 Zusatz-PS durch das Zusatzsteuergerät PowerXtra B40, das die Kennfelder für Einspritzung und Zündung modifiziert und gleichzeitig den Ladedruck erhöht. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Brabus für beide Karosserievarianten mit 300 km/h an – also ist der Brabus 700 im Topspeed nicht schneller als ein Mercedes-AMG E 63 S mit AMG Driver’s Package. Das liegt daran, dass die Hersteller immer komplexere Hürden einprogrammieren. Aber Brabus arbeitet bereits an einer Version der E-Klasse, die nicht elektronisch eingebremst wird. Ein weiteres Problem, das mit der Anhebung der Vmax einhergeht, ist der Tacho. Wo früher die Analogtachos komplett getauscht wurden, lassen sich die riesigen Digital-Displays in der neuen E-Klasse nicht gegen neue austauschen. Stattdessen müssen findige Experten die Digitaltachos aufwendig umprogrammieren. Auch daran arbeitet Brabus mit Hochdruck und rechnet damit, dass eigene Tacho-Animationen in etwa einem halben Jahr (also Frühjahr 2018) erhältlich sein werden.

Schaltwippen mit Leder bezogen

Keine Änderungen an der digitalen Tachoeinheit? Brabus arbeitet schon dran!

Schon fertig sind die neuen Schaltwippen. Diese sind etwas kürzer und eckiger designt als bisher. Besonderes Feature sind die mit Leder bezogenen Rückseiten – damit es im Winter nicht so kalt ist beim Gangwechsel. Brabus-Kenner und -Fahrer schätzen die bisher sichelförmigen Brabus-Schaltwippen aus Aluminium genauso wie die hochwertigen Lederausstattungen aus der hauseigenen Sattlerei. Beim Brabus 700-Messefahrzeug haben sich die Tuner für eine zweifarbige Innenausstattung in Schwarz und Rot entschieden. Dabei wurde unter das schwarze Leder eine rote Lederschicht eingearbeitet. Die Türtafeln wurden ebenfalls beledert – bei der Farbauswahl gibt es eigentlich keine Grenzen. Da die ersten Kundenfahrzeuge des E 63 gerade erst ausgeliefert werden, halten sich die weiteren Änderungen im Interieur in Grenzen. Brabus installiert beleuchtete Einstiegsleisten, die an die Ambientebeleuchtung gekoppelt sind und die Farbe wechseln. Pedalerie und Türpins sind aus Alu.

Sportauspuff mit “Coming home”-Modus

Von außen gibt sich die 700-PS-E-Klasse an Anbauteilen wie Frontspoiler, Diffusoreinsatz und Spoilerlippe zu erkennen. Alle Teile sind in mattem oder glänzendem Carbon erhältlich. Der Sportauspuff hat einen leisen “Coming home”-Modus, der bequem per Knopfdruck aktiviert werden kann und den Klang des V8-Biturbos auf Wunsch eindämmen soll. Das Design der Endrohre ist von anderen Brabus-Modellen bekannt. Per eigenem Fahrwerksmodul legt Brabus den 700er 20 Millimeter tiefer, sodass die optional bis zu 21 Zoll großen Felgen perfekt ins Radhaus passen.

Doppelt so teuer wie ein E 63 S 4Matic+

Für das gezeigte Messe-Exemplar verlangt Brabus 241.000 Euro. Damit ist das Komplettfahrzeug ziemlich genau doppelt so teuer wie ein serienmäßiger Mercedes-AMG E 63 S 4Matic+, der bei 121.618 Euro startet. Alternativ zum Komplettfahrzeug können Kunden ihren E 63 auch teilweise bei Brabus umbauen lassen. Währenddessen arbeitet Brabus sicherlich schon an einer neuen Leistungsstufe für die E-Klasse – denn 700 PS sind nicht genug!

Autor:

Jan Götze

Fazit

Beeindruckend, wie schnell Brabus reagiert – und kurz nach Marktstart schon umfangreiche Tuningpakete am Start hat. Die Qualität liegt auf Hersteller-Niveau, die Preise leider auch. Dafür bin ich mir sicher, dass 700 PS in der E-Klasse erst der Anfang sind!