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Bob Lutz: Autonomes Fahren zerstört die Autobranche

Der meinungsstarke Automanager Bob Lutz, Ex-Spitzenfunktionär bei GM, BMW, Chrysler und Ford, äußert sich sehr pointiert zum Thema Autonomes Fahren. In einem Gastbeitrag mit dem Titel „Kiss the good times goodbye“ im US-amerikanischen Fachmagazin Automotive News schildert der 85-Jährige Haudrauf seine Visionen für die Zukunft der Autobranche.

Für dieses Urgestein der Petrolheads ist es eine sehr steile These: Ausgerechnet Bob Lutz gibt Herstellern und Händlern auf Dauer keine Chance. Seiner Meinung nach wird Autofahren im herkömmlichen Sinn in spätestens 20 Jahren verboten. In seinen Augen passend zu seiner Lebenszeit: „Mein Timing ist wieder einmal perfekt.“ Hier seine Vorstellung der Entwicklung in den kommenden 20 Jahren:

„Es macht mich traurig, das zu sagen, aber wir nähern uns dem Ende des automobilen Zeitalters.

Die Autoindustrie befindet sich in beschleunigtem Wandel. Seit Hunderten von Jahren war das Pferd die Hauptantriebskraft des Menschen und in den letzten 120 Jahren war es das Auto.

Wir nähern wir uns dem Ende für das Automobil, weil wir künftig in standardisierten Modulen bewegt werden.

Es wird letztendlich ein vollständig autonomes Fahrzeug sein, in dem kein Fahrer das Steuer übernehmen kann. Sie rufen es, es kommt zu Ihnen, Sie steigen ein, geben Ihr Ziel ein und werden auf die Autobahn gefahren.

Auf der Autobahn wird es sich in einen 120, 150 Meilen pro Stunde fahrenden Konvoi anderer Module einfädeln. Die Geschwindigkeit spielt keine Rolle. An dieser Stelle verschmelzen Eigenschaften des Individual- mit denen des Schienenverkehrs.

Die Ausfahrt wird Ihr Modul über den Verzögerungsstreifen verlassen und zu Ihrem endgültigen Ziel fahren. Der Transport wird dann über Ihre Kreditkartennummer, Ihren Fingerabdruck oder eine beliebige andere Art der Identifikation abgerechnet. Das Modul kehrt zu seinem Sammelpunkt zurück und ist bereit für den nächsten Transport.

Die meisten dieser standardisierten Module werden von Firmen wie Uber, Lyft oder anderen künftigen Transportunternehmen betrieben.

Einige wenige werden weiterhin personalisierte Module zu Hause parken, in denen sie aus Bequemlichkeit ihre Urlaubsausrüstung und die Fußballausrüstung der Kinder lassen können.

Die Fahrzeuge werden aber nicht mehr von Menschen gefahren, und spätestens in 15 bis 20 Jahren werden von Menschen gesteuerte Autos gesetzlich von den Straßen verbannt.

Dazu wird es kommen, wenn 20 bis 30 Prozent der Autos vollautonom fahren, die Regierungen sich die Unfallstatistiken ansehen und herausfinden, dass menschliche Fahrer 99,9 Prozent der Unfälle verursachen.

Natürlich wird es eine Übergangszeit geben. Jeder wird fünf Jahre Zeit haben, sein Auto von der Straße zu holen, es zu verschrotten oder gegen ein Modul zu tauschen.

CNBC hat mich kürzlich gebeten, eine Studie zu kommentieren, die zeigt, dass Menschen kein autonomes Auto kaufen wollen, weil sie Angst davor haben. Sie trauen den traditionellen Autoherstellern nicht, also würde das einzige autonome Auto, das sie kaufen würden, von Apple oder Google kommen müssen. Nur dann würden sie ihm vertrauen.

Meine Antwort war, dass wir erst mal gar keine öffentliche Akzeptanz autonomer Fahrzeugen benötigen. Wir brauchen sie zunächst lediglich bei den großen Flotten von Uber, Lyft, FedEx, UPS, US-Postdienst, Versorgungsunternehmen und Lieferdiensten. Auch Amazon wird wahrscheinlich eine Menge davon kaufen. Diese Flotten werden Millionen Fahrzeuge groß. Alle paar Monate werden die Betreiber 100.000 billige, 100.000 mittlere und 100.000 High-End-Module bestellen. Der Anbieter, der die Spezifikation zum günstigsten Preis liefert, macht das Geschäft.

Diese Module werden nicht unter Markennamen wie Chevrolet, Ford oder Toyota laufen sondern als Uber, Lyft oder einem Namen der künftigen Marktteilnehmer.

Die Hersteller der Module werden einer Smartphonefirma wie Nokia ähneln. Die Wertschöpfung wird künftig vor allem bei den Betreibern der autonomen Flotten liegen.

Die Transportunternehmen werden Module in verschiedensten Größen bestellen können – kurze, mittlere, lange, auch Pritschenwagen-Module. Aber die Leistung wird für alle gleich sein, weil auf der Autobahn niemand mehr überholen kann. Der Todesstoß für Unternehmen wie BMW, Mercedes-Benz und Audi, denn diese Art von Leistung wird nicht mehr zählen.

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