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Blitzer: Alles über Radarfallen und Lasergeräte Mit diesen Blitzern jagt die Polizei Raser

— 17.08.2017

Mit diesen Blitzern jagt die Polizei Raser

Die Blitzer werden immer raffinierter und sind immer schwerer zu erkennen. Mit welchen Geräte jagt die Polizei Temposünder? Überblick über Radarfallen, Lasergeräte und Blitzer-Türme aller Art.




‘Wurden Sie schon mal geblitzt?’

Der Schrecken aller Autofahrer trägt viele Namen: Radarfalle, Blitzer, Starenkasten. Seit nunmehr sechs Jahrzehnten jagt die Polizei Temposünder und Raser, im Januar 2017 jährte sich der erste Einsatz in Deutschland zum 60. Mal. Seit jeher ist der Widerstand groß, die Anlagen wurden beschossen, angezündet, abgesägt, mit Farbe besprüht und mit Klebeband umwickelt. Sie erzeugten ohnmächtige Wut, die bis zum Mord führten. Sie produzierten Fotos mit Tauben im Tiefflug, Hubschraubern, Lamas, dem Weihnachtsmann oder einer Oma mit Rollator. Und doch bekämpft der Blitzer nach wie vor die Unfallursache Nummer eins in Deutschland: das schnelle Fahren. Seit 1957 hat sich einiges getan, und Radarfalle passt auch nicht mehr. Heute fotografiert die Polizei Temposünder mit teils raffiniert getarnten Lasergeräten, die die Daten per Funk direkt weitergeben. Doch der Reihe nach.

Reaktion auf 13.000 Verkehrstote pro Jahr

Felix Hoffmann, Leiter des Deutschen Polizeimuseums, mit dem Radargerät VRG2 von Telefunken aus dem Jahr 1957.

1956 war der Prototyp der ersten Radarfalle VRG 1 von Telefunken auf der Internationalen Polizeiausstellung in Essen vorgestellt worden. Nach ersten Feldversuchen trat das Gerät 1957 in Düsseldorf, Hamburg und Ulm als Weiterentwicklung VRG 2 ihren bundesweiten Siegeszug an. Das Anlass: Die Zahl der jährlichen Verkehrstoten in der noch jungen Bundesrepublik war trotz geringen Verkehrsaufkommens auf erschreckende 13.000 geschnellt. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 ging die Zahl der Verkehrstoten auf 3214 zurück, so wenig wie zuletzt vor rund 60 Jahren. Mit Blitzlicht konnten damals dank der ersten Radargeräte Temposünder neuerdings sogar in der Nacht erwischt werden – die Zeitungen feierten die neue “Wunderwaffe” der Polizei. Als Stichtag der ersten Radarkontrolle gilt in vielen Publikationen der 21. Januar 1957 mit einem Test in Düsseldorf.

Geblitzter Fernfahrer erschießt Polizeibeamten

In der Bevölkerung kam ist das Instrumentarium der Polizei seit jeher unbeliebt. Begriffe wie “Abzocke” und “Wegelagerei” werden heute noch gebraucht. Inzwischen sind etwa 1800 Geräte als fest montierte “Starenkästen” über das Land verteilt und versetzen mit ihren Blitzen Autofahrer immer wieder in ohnmächtige Wut. Welchen abgrundtiefen Hass eine Radarkontrolle auslösen kann, musste die Polizei im Jahr 2000 in Hessen erfahren: Als ein Fernfahrer geblitzt wurde und fürchten musste, seinen Führerschein zu verlieren, kehrte er um, erschoss einen Polizisten und verletzte einen zweiten Beamten schwer.

Blitzen ohne Unterlass – Gegner rüsten auf

Felix Hoffmann, Leiter des Deutschen Polizeimuseums im westfälischen Salzkotten, sammelte teils haarsträubende Einsprüche gegen die Bußgeldforderungen nach Blitzerfotos. Beispiel: “Bei der Beurteilung ist zu berücksichtigen, dass dem Verantwortlichen für das Königsschießen das Bier ausgegangen war.” In einigen Fällen konnten Rechtsanwälte den Abbau der Blitzer erzwingen, wo deren Millioneneinnahmen allzu offensichtlich mehr der klammen Staatskasse dienten denn der Verkehrssicherheit. Dennoch blitzt es seither ohne Unterlass, nicht nur beim Blitz-Marathon, zuletzt wurden am 21. April 2016 72.000 Raser erwischt, und es hatten nicht mal alle Bundesländer mitgemacht. Die Gegner der Radargeräte haben illegal aufgerüstet: Warngeräte für das Auto und reflektierende Folien für das Nummernschild sollen vor Bußgeld, Punkten in Flensburg und Führerscheinentzug schützen.

Polizei-Neuheit: halbstationäre Laserfalle

Die Polizei kontert seit einigen Jahren mit modernen und kleinen Lasergeräten, die die Radartechnik in Genauigkeit übertrumpfen. Stylische Säulen säumen den Straßenrand, innen die modernste Blitzertechnik. Neu ist die halbstationäre Radarfalle. Die Anlagen sind auf Anhängern installiert und können personalsparend jeweils für mehrere Tage an wechselnden Orten aufgestellt werden, ohne von Beamten bewacht zu werden. Der sogenannte “Enforcement Trailer” der Firma Votronic wird bereits in mehreren Bundesländern eingesetzt. Raffiniert: Er tarnt sich als Anhänger, hat eine eigene Stromversorgung und eine drahtlose Verbindung zur Polizei, falls jemand versuchen sollte, ihn außer Gefecht zu setzen. Er ist sogar kugelsicher! Andere Radarfallen tarnen sich als Stromkästen, sind in Kofferräumen versteckt oder können gleich mehrere Raser auf einmal schnappen: Sie überwachen gleich mehrere Spuren, manche sogar in beiden Fahrtrichtungen. Einen Überblick über die Blitzgeräte auf deutschen Straßen gibt’s in der Bildergalerie!