/Bitkom: Digitalisierung soll Millionen Arbeitsplätze in Deutschland vernichten

Bitkom: Digitalisierung soll Millionen Arbeitsplätze in Deutschland vernichten

Nach einer neuen Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom sollen in den nächsten fünf Jahren rund 3,4 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland digitalisiert werden.

Die Studie geht auch davon aus, dass – wenn es sich um deutsche Unternehmen handelt, die mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigen – jedes vierte Unternehmen aufgrund der Digitalisierung dem Risiko des Verschwindens ausgesetzt ist.

Da der Arbeitsmarkt nahezu Rekordhöhen erreicht hat, hat die stärkste Volkswirtschaft in Europa im Dezember 2017 rund 44,5 Millionen Menschen, die in Deutschland als erwerbstätig gelten und ihren Wohnsitz in Deutschland haben.

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Die Hälfte der Jobs kann veraltet sein

Bitkom warnte jedoch davor, dass die guten Zeiten zu Ende gehen könnten. In dem Artikel veröffentlicht von der Frankfurter Allgemeine Zeitung am Freitag , der Leiter der Organisation, Achim Berg, nannte das Beispiel der Telekommunikationsindustrie. Der Sektor gehörte zu den ersten, die durch Digitalisierung verändert wurden.

In den 1990er Jahren waren laut Berg rund 200.000 Menschen in der Kommunikationstechnik beschäftigt. Heute sind nur noch 20.000 übrig.

“Wir haben 90 Prozent der Arbeitsplätze in diesem Sektor in nur 15 Jahren verloren”, sagte Berg der Zeitung und fügte hinzu, dass die Beschäftigung bei Banken und Versicherungen sowie Chemie- und Pharmaunternehmen wahrscheinlich die nächsten Ziele der Digitalisierung seien.

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Zum Beispiel könnten Steuerberater bald durch Algorithmen ersetzt werden, während 3D-Drucker Zahnformen anstelle von menschlichen Zahntechnikern herstellen könnten. In den nächsten zwei Jahrzehnten wird laut Bitkom die Hälfte der aktuellen Jobprofile obsolet werden.

Die Techies, die Wolf weinten?

Der deutsche IT-Verband ist bei weitem nicht die erste Gruppe, die Alarm schlägt angesichts der Bedrohung, die moderne Technologien für den Arbeitsmarkt darstellen. In der Vergangenheit hat die Entwicklung neuer Technologien auch neue Berufe und Arbeitsplätze geschaffen, um die neuen Arten von Maschinen zu verwalten.

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Auch am Freitag hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) das von Bitkom beschriebene Szenario als Alarmist abgelehnt.

Deutschland “geht nicht aus”, sagte der DIHK-Vorsitzende Martin Wansleben. Stattdessen steht das Land vor einem Defizit an hochqualifizierten Mitarbeitern. Wansleben betonte die Wichtigkeit neuer Geschäftsmodelle und kontinuierlicher Bildung, um mit der Zeit Schritt zu halten.

Der Verband der Deutschen Maschinen- und Anlagenindustrie (VDMA) reagierte ähnlich: Die Digitalisierung sei “ein Job schaffender Motor” für das Land. Der Gruppe zufolge “werden mehr Arbeitsplätze geschaffen als durch die Digitalisierung verloren gehen”.

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Berlin “losgelöst von der Realität”

In dem Artikel vom Freitag forderte Berg deutsche Politiker auf, den Herausforderungen der Digitalisierung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Das aktuelle Gespräche zur Bildung der nächsten Großen Koalition Themen wie Renten oder Arztgehälter, aber nicht die Wirtschaft der Zukunft, so Berg. Deutschlands größte politische Parteien haben sich bisher verpflichtet, die Internet-Infrastruktur des Landes bis 2025 zu erneuern. Die Konservativen von Kanzlerin Angela Merkel haben auch die Erweiterung des bestehenden Verkehrsministeriums zur Schaffung des Ministeriums für Verkehr und Digitalisierung gefordert.

Berg sagte, die Diskussion sei “seltsam von der Realität losgelöst”.

“Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos hat so ziemlich jede Veranstaltung über künstliche Intelligenz diskutiert”, sagte er der Zeitung. “Ich habe in Berlin viel zu wenig gehört.”

dj / sms (AFP, Reuters)