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Autonomes Fahren: Teilschuld für Tesla-Autopilot Autopilot bekommt Mitschuld für Unfall

— 13.09.2017

Autopilot bekommt Mitschuld für Unfall

Unfallermittler erheben Vorwürfe gegen Teslas Autopilot: Das System habe  durch lasche Sicherheitsvorkehrungen zum tödlichen Crash in den USA beigetragen.




‘Würden Sie dem Computer das Steuer überlassen?’

(REU/dpa/cj/cr/mas/brü) Der Autopilot von Tesla hat zum tödlichen Crash eines vom Computer gesteuerten Elektroautos im Mai 2016 durch zu lasche Sicherheitsvorkehrungen der Software beigetragen. Das ist die Einschätzung amerikanischer Unfallermittler. Teslas Fahrassistenz-System hätte nicht zulassen dürfen, dass der Fahrer es nicht wie vom Hersteller vorgeschrieben nutzt, teilte die Untersuchungsbehörde NTSB am 13. September 2017 mit. Tesla versicherte daraufhin, man werde die Empfehlungen der Ermittler prüfen. Man werde aktuelle und künftige Kunden auch weiterhin “extrem deutlich” darauf hinweisen, dass sie auch bei eingeschaltetem Fahrassistenten stets aufmerksam bleiben müssten.

Stufe 0: Driver only

Fahrer führt dauerhaft Längs- und Querführung aus. Kein eingreifendes Fahrzeugsystem aktiv.

Stufe 1: Assistent

Fahrer führt dauerhaft Längs- oder Querführung aus. System übernimmt jeweils andere Funktion.

Stufe 2: Teilautomatisiert

Fahrer muss das System dauerhaft überwachen. System übernimmt Längs- und Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall.

Stufe 3: Hochautomatisiert

Fahrer muss das System nicht mehr dauerhaft überwachen. Muss pot. in der Lage sein, zu übernehmen. System übernimmt Längs- und Querführung in einem spezifischen Anwendungsfall. Erkennt Systemgrenzen und fordert Fahrer zur Übernahme mit ausreichender Zeitreserve auf.

Stufe 4: Vollautomatisiert

Kein Fahrer erforderlich im spez. Anwendungsfall. System kann im spezifischen Anwendungsfall alle Situationen automatisch bewältigen.

Stufe 5: Fahrerlos

System kann während der ganzen Fahrt alle Situationen automatisch bewältigen. Kein Fahrer erforderlich. (Quelle: VDA/Bundesamt für Straßenwesen)

Automatisiertes Fahren in Stufen 1 von 6

Tesla-Unfall behördlich untersucht

Die NTSB (National Transportation Safety Board) untersucht neben Flugzeugabstürzen relevante Unfälle im gesamten Transportwesen der USA und formuliert Empfehlungen auf dieser Basis. Dazu gehört in diesem Fall unter anderem die Entwicklung von Systemen, die besser die Aufmerksamkeit des Fahrers im Blick behalten. Außerdem sollten Daten zu Verkehrsereignissen in standardisierten Formaten gespeichert werden, hieß es.

Künftig setzt das Model S beim Autopilot stärker auf Radar statt auf Sensoren.

Bei dem Unfall war Anfang Mai 2016 ein 40-Jähriger ums Leben gekommen, als sein von Teslas Autopilot gesteuertes Auto unter einen Lastwagen-Anhänger raste, der die Straße querte. Der Lkw-Fahrer habe ihm die Vorfahrt genommen, befanden die NTSB-Ermittler. Zugleich habe sich der Tesla-Fahrer zu sehr auf den Fahrassistenten verlassen. Das Autopilot-System habe zwar wie vom Hersteller beschrieben funktioniert – sei aber für diese Situation nicht konzipiert gewesen. Zugleich habe es zugelassen, dass der Fahrer nicht auf den Verkehr geachtet habe, obwohl Tesla grundsätzlich vorschreibt, dass beim Autopilot-Einsatz der Mensch stets den Überblick behalten müsse.

Mehrfache Warnungen durch das System

Zwei Fußgänger irritierten den Tesla, er bremste unnötig ab. Der einzige Wackler im Hersteller-Video.

Laut einem ersten NTSB-Bericht war der Tesla-Fahrer von der Software mehrfach aufgefordert worden, die Hände aufs Steuer zu legen. Tesla verschärfte nach dem Unfall die Sicherheitsvorkehrungen und machte es unmöglich, die Hände für einen längeren Zeitraum vom Lenkrad zu nehmen. Der Konzern hatte stets betont, dass der Autopilot-Assistent einen Tesla nicht zum selbstfahrenden Auto mache. Fahrer hatten die Kontrolle jedoch immer wieder dem System überlassen, wie YouTube-Videos belegten. Die Familie des ums Leben gekommenen Tesla-Fahrers erklärte bereits vor der Veröffentlichung der NTSB-Schlussfolgerungen: “Wir haben wiederholt gehört, dass das Auto unseren Sohn getötet habe. Das ist einfach nicht der Fall.” Aber sowohl Mensch als auch Technik hätten in einem kurzen Moment den Lastwagen nicht bemerkt. Ein Trost sei für die Familie, dass sein Tod dazu beitrage, die Technik für andere Fahrer sicherer zu machen.

Tesla-Unfall auch in Deutschland

Neben einem weiteren Vorfall in China hatte es im September 2016 auch in Deutschland einen Unfall mit einem Leichtverletzten gegeben, bei dem ein im Autopilot-Modus fahrender Tesla Model S einen Reisebus gerammt hatte. Zahlreiche Hersteller setzen für die Zukunft auf das sogenannte autonome Fahren. Der Erfolg der neuen Technologie dürfte in erster Linie von ihrer Sicherheit abhängen.