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Auto-Tuning per App

Auto-Tuning per App


Karsten Schäfer

Mit der Carly-App lassen sich bestimmte Funktionen in BMWs Umprogrammieren: etwa die Blinker, Tagfahrleuchten und Scheibenwischer.

(Bild: Carly)

Autos lassen sich inzwischen komplett per Software steuern. Das machen sich Tuner, Hacker und Bastler immer mehr für ihre Zwecke zunutze.

Heutzutage wird so ziemlich jede Funktion, die ein Auto hat, digital gesteuert. Das bedeutet eine immense Fülle an Möglichkeiten und ruft zugleich Hacker auf den Plan. Sie motzen ihre Autos digital auf, verpassen ihnen die digitale Analogie zu Spoiler, Breitreifen und tiefergelegtem Fahrgestell. Sie sind die ersten Vertreter einer neuen Tuning-Szene. Sogar erste Firmen wie das Start-up Carly bieten ihre Dienste an, berichtet Technology Review in seiner aktuellen September-Ausgabe (jetzt im Handel und im heise shop erhältlich).

“Auf Knopfdruck 30 bis 40 PS mehr”

TR 9/2017

Der Text stammt aus der September-Ausgabe von Technology Review (ab 17.8. im Handel und im heise shop erhältlich). Weitere Artikel des Hefts:

Die Münchner wollen zeigen, dass Chiptuning einfach und relativ sicher sein kann – nachdem sie schon mit Apps zum Umprogrammieren von Blinkern, Tagfahrleuchten und Scheibenwischern bei BMWs für Aufmerksamkeit gesorgt haben. “Mit unserer App gibt es auf Knopfdruck 30 bis 40 PS mehr. Die Tuning Files kommen nur von renommierten Tunern“, sagt Avid Avini, Mitgründer von Carly. Sie hätten den Vorteil, mit der Carly-App plötzlich viel mehr Kunden zu erreichen. In Punkto Haltbarkeit ist sich Avini sicher, dass ein Motor Leistungssteigerungen von nur 30 bis 40 PS auf jeden Fall verkraftet. Auch TÜV-Zulassungen hat Carly schon für seine Kennfelder. Doch bisher wird noch intensiv getestet. Rund 50 Autos – überwiegend von bestehenden Kunden – hat Carly bisher getunt. Ein paar Tausend sollen es werden, bevor die Software weltweit in großem Stil ausgerollt wird.

Inzwischen bietet Carly neben BMW auch Apps für Mercedes, Audi, Seat, Skoda, VW und Porsche an. Für BMW sind die meisten Funktionen verfügbar. Für Porsche gibt es nur den Gebrauchtwagen-Check. Das klingt langweilig, ist aber ein sinnvolles Feature. Nutzer können erkennen, ob der Kilometerstand manipuliert wurde, was laut ADAC bei einem Drittel aller Gebrauchtwagen der Fall ist. Möglich ist das, weil der Kilometerstand zum Protokollieren von Fehlermeldungen in vielen Steuergeräten gespeichert wird. Beim Manipulieren lassen sich aber nur wenige dieser Kilometerstände überschreiben. “Wir decken ungefähr 95 Prozent aller Manipulationen auf”, sagt Avini.

App empfiehlt Zeitpunkt der Regeneration

Ebenfalls bares Geld kann die Funktion zum Regenerieren des Dieselpartikelfilters wert sein. Denn der aus dem Abgas gefilterte Ruß muss alle 500 bis 1000 Kilometer abgebrannt werden, damit der Filter nicht verstopft. Dieses Abbrennen nennen die Hersteller Regeneration. Die App liest den Grad der Verrußung bei BMW aus und empfiehlt bei Bedarf eine Regeneration, die manuell vorgemerkt und dann bei höheren Geschwindigkeiten und warmem Motor durchgeführt wird. Wer mit seinem Diesel vor allem in der Stadt fährt, wird es der App danken, den Zeitpunkt dafür zu erfahren.

Mehr dazu lesen Sie in der aktuellen Technology Review (jetzt im Handel und im heise shop erhältlich).


(jle)