/Aufklärung gegen Antisemitismus: Deutsche Studenten besuchen Konzentrationslager

Aufklärung gegen Antisemitismus: Deutsche Studenten besuchen Konzentrationslager

Vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag am Samstag ist die Klasse 10C der Rostocker Don Bosco Schule eröffnet ein obligatorischer Besuch in das KZ Sachsenhausen, nur wenige Kilometer nördlich von Berlin. Wenn die Schüler den Bus verlassen, scheinen sie entspannt und gut gelaunt zu sein. Einige von ihnen sind glücklich, den Tag nicht in einem Klassenzimmer zu verbringen. Der Geschichtslehrer scheint jedoch etwas angespannt. Er möchte offensichtlich, dass seine Schüler die Ernsthaftigkeit dieses Ortes anerkennen.

Reiseleiter Karl Kröhnke kommt, um die Klassen zu begrüßen s. Er führt die Schüler zunächst durch das Außengelände des Konzentrationslagers und erzählt ihnen ihre Geschichte. Dann nähern sich die Schüler dem Eingangstor. Je näher sie kommen, desto düsterer wird die Stimmung – kein Lachen mehr, keine Neckerei mehr. Die Schüler stehen schweigend vor dem Tor und konzentrieren sich auf das, was Kröhnke sagt.

“Jeder, der durch dieses Tor ging, war kein freier Mann mehr” er erklärt. “Auf der anderen Seite begann ein Leben voller Terror, ein Leben voller Unberechenbarkeit.”

Ein Student ist eher unbeeindruckt. Sie fragt sich, warum das Leben in einem Konzentrationslager unberechenbar wäre, wenn man durch harte Arbeit Freiheit erlangt hätte. Kröhnke scheint diese Frage schon einmal gehört zu haben. Es ist für ihn klar, dass ihr Kommentar ein unzureichendes Wissen über die Geschichte offenbart. Kröhnke antwortet ruhig: “Das war purer Zynismus! Wer hart gearbeitet hat, war weit davon entfernt, frei zu sein.”

Stellen Sie sich die Schrecken Nazi-Deutschlands vor

Mehr als 200.000 Häftlinge wurden nach Sachsenhausen gebracht während der Nazizeit . Homosexuelle, Juden, Sinti und Roma und generell jeder, der nicht zur sogenannten arischen Rasse gehörte, wurde ohne Gerichtsverfahren hierher gebracht. Tausende starben an Erschöpfung, an medizinischen Experimenten oder an Exekutionen.

Während der Tour gehen die Studenten an den engen Baracken vorbei, in denen die Gefangenen untergebracht waren. Kröhnke erklärt, wie mit Maschinengewehren bewaffnete Wachen alles von ihren Wachtürmen aus im Lager sehen konnten. Wir sehen die Hinrichtungsstätte, wo mehr als 10.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden. Dann sehen wir die Öfen, in denen die Leichen anschließend verbrannt wurden.

“Ich bin völlig geschockt und kann kaum glauben, was hier passiert ist”, sagt ein Mädchen mit einem traurigen Gesichtsausdruck, als sie aus einer Kaserne heraustritt. “Das muss man doch sehen, es ist Teil der deutschen Geschichte”, a anderer Junge fügt hinzu.

Erhöhter Antisemitismus in Deutschland?

Der Schulbesuch im KZ soll die Schüler für die Verbrechen der NS-Zeit sensibilisieren. Es ist eine Lektion, die zu einer Zeit des Antisemitismus erteilt wird kehrte in den Vordergrund des öffentlichen Diskurses in Deutschland. Im Dezember 2017 Demonstratoren nahe dem Brandenburger Tor verbrannte israelische Fahnen bei einem Protest gegen die Entscheidung der USA, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen. Antisemitische Verunglimpfungen wurden angeblich geschrieen. Diese Szenen erinnern an ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte. Inmitten Angst vor aufsteigendem Antisemitismus im Land Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte, Studenten und Asylsuchende sollten ein Konzentrationslager besuchen.

Menschen können nicht gezwungen werden, mitfühlend zu sein

Ein Besuch im Konzentrationslager ist für die Schüler der 10. Klasse aus Rostock bereits Pflicht. Ihr Lehrer Robert Arndt sieht dies jedoch nicht als eine erzwungene Lektion.

“Offensichtlich sollte die Erinnerungskultur nicht erzwungen werden, weil sich die Studenten dann absperren”, sagt er. “Man muss natürlich einen Weg finden, sich diesem schwierigen Thema zu nähern.”

Bevor sie gehen, legen seine Studenten einen Kranz und gelbe Rosen nieder, um den Ermordeten zu gedenken. Der Besuch mag Teil des Lehrplans gewesen sein, aber das Mitgefühl der Jugendlichen scheint natürlich und aufrichtig zu sein.