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Audi Q2/Ducati Scrambler Desert Sled: Vergleich Wir können auch anders!

— 05.08.2017

Wir können auch anders!

Was für eine dreckige Idee: Wir entführen Audi Q2 und Ducati Scrambler dorthin, wo sie ihrem Aussehen nach herkommen. Wer wühlt sich durch?

Wenn Autos eine Seele haben (die haben sie bestimmt!), bitten wir die im Q2 jetzt um Vergebung für diese Qual. Der Audi steckt radhoch im Schlamm, der Modder kommt aus Fugen, die wir bisher nicht mal erahnt haben. Von vorn schleudert die Ducati Desert Sled ihre Dreckfontäne aufs weiße Dach. Armer, armer Audi! Dabei hatte der Morgen so flauschig begonnen. Strahlender Sonnenschein, der Hamburger Jungfernstieg wie sauber geleckt vom Regen der Nacht. Hier passen die Boulevard-Beauties hin.

Optisch gehört der Audi auf den Boulevard

Mit 38.800 Euro ist dieser Q2 1.0 TFSI auch in Sachen Preis ein Edel-SUV. Was kann der Audi im Gelände?

Beim Anblick des Q2 zieht ein junger Vater die Mundwinkel hoch. Der Audi kondensiert modischen Gelände-Look auf 4,19 Meter, ringsum den richtigen Strich Offroad-Kayal und schicke matte Alu-Einlagen. In die Boom-Klasse der kleinen Hochsitze wie Renault Captur und demnächst Opel Crossland X trägt der Audi die subtile Perfektion einer Edelmarke – ob der junge Vater ahnt, dass sein Traumauto 38.800 Euro kostet, so wie es dasteht? Dabei ist der 1.0 TFSI gar kein echtes SUV. Hat nur einen 1,0-Liter-Dreizylinder, Frontantrieb und gerade mal 20 Zentimeter Bodenfreiheit; damit ziehst du höchstens ein paar Schnecken aus dem Biergarten. Egal, der Audi zieht. So wie Bergstiefel im Sommer oder die Desert Sled.

Die Scrambler reitet auf der Retro-Bike-Welle

Bekannter Look: Mit ihren goldenen Felgen erinnert die Ducati an die legendäre Yamaha XT 500.

Das ist die aktuellste Version der erfolgreichen Scrambler. Bei Ducati sind die Modelle im Gelände-Look längst zur Untermarke neben den Sportbikes geworden. Die Neue mit weißem Tank und goldenen Felgen erinnert Nostalgiker sofort an die legendäre Yamaha XT 500 – den Urknall aller modernen Enduros. Nur dass die Desert Sled zwei Zylinder hat, 73 PS und den komfortablen E-Starter. Ein Ding zwischen Retro-Look und einfach echt, es gibt diesen Sommer kein heißeres Gerät am Jungfernstieg. Aber was können die Modepüppchen, wenn’s dreckig wird? Bei unserem Ziel spielt etwas Häme mit: Den Hoope Park bei Bremen hat Tief Rasmund (setzte auch Berlin unter Wasser) in ein solches Schlammloch verwandelt, dass Betreiberin Anke Schlicht weiß: “Kaum Verkehr am Wochenende.” Wir dürfen also wüten.

SUV und Scrambler müssen ran, so wie sie am Gelände eintreffen – mit ihren feinen Straßenschühchen: Die Asphaltprofile werden sich sofort zukleistern, Offroad-Reifen wären besser, aber wir sind hemmungslos unfair.

Leichtes Gelände ist mit dem Q2 durchaus drin

Irgendwie wühlt sich der Audi schon durch, aber seine 20 Zentimeter Bodenfreiheit sind zu wenig.

Erste Disziplin: die Start-und-Ziel-Gerade des Hoope-Rings, eine 15 Meter breite Piste mit der Griffigkeit von wadentiefem Teig. Der Q2 schlingert durch die Pampe, beim Wenden droht er zu versinken. Wie zur Warnung steht hinter der Böschung ein Radlader bereit, um Havaristen mit seinem Einsatz zum Vollhorst zu stempeln. “Weichei, ab zu Mami!” Dieses Schicksal scheint Auto wie Motorrad zu motivieren. Sie glitschen an Christians Kamera vorbei, tänzeln mit den Vorderrädern, kommen aber nicht auf Tempo. Kein Grip! Dann der Sprunghügel. Springen entfällt heute, wir nehmen die Landerampe bergauf. Auf den 30 Metern wird der Q2 langsamer und lauter, zirpend arbeitet die elektronische Differenzialsperre. Schafft er’s? Endlich krabbelt der ehemals weiße Q2 über die Kante. Langsam kriegt er die Kriegsbemalung.

Dicker Schlamm macht die Scrambler zum Standmodell

Ende Gelände: Tiefer Schlamm stoppt die wilde Fahrt der Ducati. Da hilft leider nur noch anschieben.

Die Scrambler hat sie längst. Ihr Hinterrad ist ausgebrochen, das nur 17 Zoll kleine Vorderrad führt kaum, Jan schwitzt unter seinem Helm puren Dreck. Christian jubelt: “Tolle Bilder!” Wir denken: “Scheißdreck!” Und weiter geht’s, die kleine Querspange müsste doch gehen … Der Q2 setzt auf, er hat ja kaum mehr Luft unter seinem Bauch als ein Golf. Was er im Kern auch ist: ein höherer, geschminkter Kompakter mit langer Nase und flachen Böschungswinkeln, sodass die Heckschürze viel zu früh aufsetzt. Aber mit ein bisschen Gewöhnung klettert der Fronttriebler erstaunlich gut. Zudem bestätigt der kleine Dreizylinder auf der Vorderachse eine alte Geländeweisheit: leichter kommt weiter. Jedenfalls weiter als die fetten Angeber-SUVs.

Die Ducati wühlt sich ohne Elektronik durch. Der vordere Zylinder ist komplett zugeschlammt, da bleibt Jan im Wasserloch stecken, das Hinterrad bis zur Kette im Schlamm. “Kannste mal anschieben?” Klar, Kollege. Gummistiefel an, ab ins Wasser. Ich habe kaum die Hände am Sattel, da gibt der Knaller vorn Vollgas. Und ich stehe augenblicklich in der Hoope-Dusche, einem Volle-Kanne-Strahl aus brauner Brühe. Jan dreht sich um, die Brille kann sein dreckiges Schmunzeln kaum noch verbergen. Lacht der Kerl etwa? Christian auch. Reingefallen. Aber wir haben’s nicht anders gewollt …

Technische Daten Audi Q2 1.0 TFSI:Motor: Dreizylinder, Turbo, vorn quer • Hubraum: 999 cm³ • Leistung: 85 kW (116 PS) bei 5000/min • max. Drehmoment: 200 Nm bei 2000/min • Vmax: 197 km/h • 0–100 km/h: 10,1 s • Antrieb: Vorderradantrieb, Sechsganggetriebe • Tankinhalt: 50 l • L/B/H: 4191/1794/1508 mm • Kofferraum: 405–1050 l • Leergewicht: 1280 kg • EU-Mix: 5,1 l Super/100 km • Abgas CO2: 117 g/km • Preis: ab 22.900 Euro

Technische Daten Ducati Scrambler Desert Sled: • Motor: Zweizylinder, quer eingebaut • Hubraum: 803 cm³ • Leistung 54 kW (73 PS) bei 8250/min • max. Drehmoment: 67 Nm bei 5750/min • 0–100 km/h: 4,5 s • Antrieb: Sechsganggetriebe, Kette zum Hinterrad • Tankinhalt: 13,5 l • Sitzhöhe: 860 mm • Leergewicht: 207 kg • EU-Mix: 5,0 l Super/100 km • Abgas CO2: 119 g/km • Preis: ab 10.990 Euro

Autoren: Jan Horn, Joachim Staat