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Auch für Linux: Hand of Fate 2 angespielt


c't zockt: Linux Gaming: Hand of Fate 2

Test & Kaufberatung
| Spielekritik

Zurück am Kartentisch im Spiel des Schicksals um Leben und Tod: c’t hat sich anhand der Linux-Version des jetzt veröffentlichten “Hand of Fate 2” angesehen, ob das Computer-Kartenspiel den Erfolg des ersten Teils wiederholen konnte oder es doch nur zu einem lauwarmen Aufguss gereicht hat.

Der zweite Teil des Computer-Kartenspiels von Defiant Development startet gleich mit einer Neuerung: In „Hand of Fate 2“ ist man nicht auf einen generischen Helden festgelegt, sondern darf einige Charakterattribute wie Herkunft, Geschlecht und Aussehen festlegen. Anschließend sitzt der Spieler wieder am Spieltisch des mysteriösen Kartengebers in der ersten Séance im Spiel um Leben und Tod. Das Grundkonzept der Verbindung von Spielelementen aus einem Sammelkartenspiel wie “Magic: The Gathering” sowie Hack’n’Slay-Action-Sequenzen ist im Vergleich zum ersten Teil “Hands of Fate” gleich geblieben. Auf dieser soliden Basis hat das australische Studio Defiant Development die Welt massiv erweitert: es gibt mehr zu tun und eine neue Kampagne zu erleben.

Es ist Nacht, als der frisch erschaffene Charakter vom Lagerfeuer das erste Mal in den Wagen des Kartengebers steigt und die erste Séance beginnt. Sogleich hat er einen aus Karten gelegten Weg vor sich. Im Verlauf des Spiels schaltet man immer mehr der insgesamt gut 1200 Karten durch das Besiegen von Gegnern, Glück und das Bestehen von Ereignissen frei. Die Karten teilen sich dabei in verschiedene Gruppen, etwa Ausrüstungs-, Ereignis- oder Monsterkarten. Im Gegensatz zum Debüttitel verläuft die Kampagne nicht mehr strikt linear sondern man kann auf einer Karte die nächste Herausforderung wählen. Dabei stehen nach der Einführung immer mehrere Optionen zur Verfügung. Das Endlosspiel muss man sich auch im aktuellen Teil erst durch Bestehen der Kampagne freispielen.

Der Grundablauf des Spiels ähnelt dem Vorgänger: In jeder Séance legt der Kartengeber einen Pfad aus Karten in einem bestimmten Muster verdeckt aus, über die man mit der eigenen Figur zieht. Kommt man „ans Ende“ eines Kartenweges, trifft man entweder auf den Endgegner der Herausforderung oder es gibt ein neues Kartenbild. Jeder Schritt auf eine neue Karte verbraucht dabei Nahrung, im Gegenzug gibt es ein paar Lebenspunkte zurück. Jede Karte löst beim ersten Betreten ihr Ereignis aus. Die Ereignisse reichen von der Verfolgung eines Diebes über Dialoge bis hin zu Kampfsequenzen. In den Kampfsequenzen tritt man gegen die vom Kartengeber gezogenen Monster an. Vor dem Beginn lohnt sich dabei ein Blick auf die eigene Ausrüstung, denn manche Gegenstände sind gegen bestimmte Gegner besonders effektiv.

Das Kampfsystem ist simpel gehalten: Die Hauptaktionen sind Ausweichen, Zuschlagen oder Blocken. Zusätzlich gibt es jetzt noch Finisher und besondere Waffenfertigkeiten. Schon bald steht der erste Gefährte zur Seite, der im Kampf unterstützt. Nach einigen Herausforderung stoßen weitere mögliche Begleiter dazu, von denen jeder eine eigene Nebenquest mitbringt.

Der offizielle Launch Trailer zu Hand of Fate 2. Quelle: Defiant Development

Das Spielprinzip am Tisch gleicht dem des Vorgängers, doch auch hier sind neue Aspekte dazugekommen: So ist das das „Hütchenspiel“ mit Erfolgs- und Fehlschlagskarten wieder dabei, wobei man – wenn man gut genug aufpasst – sehen kann, welche Karten man ziehen sollte. Neu hingegen ist ein Würfelspiel bei dem es einen bestimmten Zielwert zu schlagen gilt. Wie schwer das ist, hängt unter anderem vom geforderten Wert und der Anzahl der zur Verfügung stehenden neuen Würfe und anderen Boni beziehungsweise Mali ab. Weitere Minispielchen sind eine Art Glücksrad aus Karten und ein Pendel, bei dem es den richtigen Moment abzupassen gilt. Es gibt auch wieder Serien von Ereigniskarten, die nach und nach eine kleine Geschichte erzählen.

Wie schnell man durch diese Nebenquests kommt, hängt unter anderem davon ab, welche Ereigniskarten man für die aktuelle Herausforderung gewählt hat. Neu ist auch ein Lager, zu dem man fast immer wechseln kann. Dort stellen Sie mit Hilfe von Nahrung Lebenspunkte wieder her oder treiben Handel. Auch die fliegenden Händler sind wieder mit von der Partie. Gegen Gold können sie einem schon mal das Leben retten, etwa wenn das Essen ausgeht, man dringend bessere Ausrüstung, Heilung oder den Bruch eines Fluches braucht. Schnell wird so klar: Ressourcenmanagement von Lebenspunkten, Nahrung, Gold und – neu – Ruhm ist enorm wichtig. Fehlt letzteres, darf man bestimmte Waffen gar nicht benutzen. Besonders fies ist, wenn man eben jene zur Erfüllung der Herausforderung benötigt.

Die aktuelle Version 1.0.9 von “Hands of Fate 2” machte keine Probleme unter Linux. Das Spiel bzw. die Unity-Engine erkennen auch die Open-Source-Treiber problemlos und erstellen einen OpenGL Core Context des Levels 4.5. Da das Spiel nicht allzu ressourcenhungrig ist, kann man selbst auf älterer Hardware wie der für den Test verwendeten Radeon R9 290 bei 2560×1440 Pixeln mit nahezu den Maximaleinstellungen flüssig spielen. Dabei ist es sinnvoll, wie im Test geschehen, auf einen aktuellen Kernel und Treiberstack (hier die amdgpu-radeonsi-Treiberfamilie) zu setzen.

Die Entwickler haben mit “Hands of Fate 2” eine solide Fortsetzung des ersten Teils abgeliefert, der alten Hasen durch seine vielen Erweiterungen genauso viel Spaß machen dürfte, wie Neueinsteigern. Getragen wird die Atmosphäre zu großen Teilen von der sonoren Stimme des Kartengebers, der die eigenen Aktionen, das Spiel und vieles andere kommentiert. Diese Sprachausgabe ist nur auf Englisch erhältlich. Zwar liegen Untertitel und Texte in einer deutschen Übersetzung vor, aber die volle Atmosphäre entfaltet sich nur, wenn man des Englischen mächtig ist.

Die Grafik ist gut, aber keine Offenbarung und kann nicht mit den Grafikorgien aktueller AAA-Titel mithalten. Das muss auch gar nicht sein, denn Kartengeber, Soundtrack und das Spiel selbst fesseln auch so mit liebevoll erzählten Geschichten und bissigen Kommentaren für Stunden. Hervorheben sollte man auch, dass zum Testzeitpunkt keinerlei Mikrotransaktionen eingebaut waren. Größte Schwäche dürfte weiterhin das Hack’n’Slay-Kampfsystem im Stile eines „Remember me“ sein, das gerade bei großen Gegnermassen desselben Typs eintönig sein kann – trotz toller Waffenfertigkeiten und anderen Erweiterungen. Auch davon abgesehen fühlt sich der Kampf manchmal unnötig unrund an, unter anderem weil man nicht immer klar erkennen kann, welchen Gegner man gerade in die Mangel nimmt. Das ist aber nur bei sehr wenigen Lebenspunkten ein Problem.

Das Spiel ist für rund 28 € bei Steam (mit DRM) oder GOG (DRM-frei) für Linux, Windows und macOS erhältlich. Bei Steam kann man zusätzlich den Soundtrack erwerben. (lmd)