/Atomendlagersuche erschwert Erdwärmenutzung

Atomendlagersuche erschwert Erdwärmenutzung

Atomendlagersuche erschwert Erdwärmenutzung


Martin Fischer, dpa

Das Nesjavellir-Geothermie-Kraftwerk in Þingvellir, Island

(Bild: Gretar Ívarsson, Public Domain)

Die strahlenden Altlasten der Atompolitik sollen unter die Erde. Doch wo das Atommüllendlager hinkommen soll, ist umstritten. Haben will es keiner. Doch die aufwendige Standortsuche erschwert auch die Nutzung der Geothermie.

Sachsen ist bundesweit führend beim Ausbau der Erdwärmenutzung. Der Zuwachs neu installierter Leistung aus geothermischen Anlagen ist hier gemessen an der Einwohnerzahl besonders hoch. Ginge es nach Sachsens Umweltminister Thomas Schmidt (CDU), sollte das auch so weitergehen. Doch ausgerechnet die Suche nach dem zentralen Endlager für hochradioaktive Abfälle macht die Nutzung dieser regenerativen Energie jetzt komplizierter, und zwar in ganz Deutschland. Denn damit die von der Politik viel beschworene “Weiße Landkarte” bei der Endlagersuche weiß bleibt und keine potenziellen Standorte unbrauchbar werden, dürfen sie durch Bergbau nicht mehr so einfach “angebohrt” werden.

“Wer tiefer als 100 Meter bohren will, braucht deshalb neuerdings das Einvernehmen des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE)”, ärgert sich Schmidt. “Diese Regelung könnte uns den Ausbau der Geothermie erschweren.”

Bohrungen gegen Endlagersuche

Für das neu gegründete BfE ist es eine der ersten Aufgaben. “Bei der anstehenden Suche nach einem Endlagerstandort soll kein Ort von vornherein bestimmt oder ausgeschlossen werden, auch nicht dadurch, dass beispielsweise durch Tiefenbohrungen ein möglicherweise geeignetes Gesteinsvorkommen für die Endlagerung beeinträchtigt oder gar unbrauchbar wird”, sagt der Präsident der Bundesanstalt, Wolfram König, und spricht von einem fairen Verfahren.

Der Bundesverband Geothermie befürchtet hingegen, “dass die Geothermie für die Vergangenheitsbewältigung der Atomenergie büßen muss”. Für ihn sei die weiße Landkarte ohnehin nur ein politischer Kompromiss, sagt Verbandspräsident Erwin Knapek. “Man tut so, als würde man überhaupt nichts wissen über den Untergrund. Im Grunde geht man davon aus, dass das Endlager überall in Deutschland – also auch unter jeder Stadt und jeder Ansiedlung et cetera – möglich ist.” Er findet das “irrsinnig”.

Dabei wisse man bei der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover schon sehr gut, wo solch ein Endlager überhaupt möglich sei, sagt Knapek. “Die Karten sind auch vorhanden.” Und sie zeigten ganze Landstriche, die für ein Endlager ungeeignet seien – beispielsweise Südbayern. “Da gibt es keine Salzstöcke, keine entsprechenden Tonschichten und auch keinen trockenen Granit.” Dennoch halte das BfE hier wie an jedem anderen Ort in Deutschland an den Regelungen zum Schutz möglicher Endlagerstandorte fest.