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Assassin’s Creed Origins angespielt: Tod am Nil

Irgendwann ist Zeit für einen Neuanfang. Ubisoft Montreal hat Assassin’s Creed: Origins ein neues Kampfsystem verpasst und bietet die wohl größte und glaubwürdigste Spielwelt der Reihe. Trotzdem nerven die zahlreichen Mikrotransaktionen.

Mit Assassin’s Creed: Origins steht der zehnte Teil der erfolgreichen Open-World-Meuchelei in den Regalen. Nach diversen Ausflügen durch unterschiedliche Zeitepochen landen die Spieler jetzt im antiken Ägypten.

Hier ein Kleidungsstück, da ein Einhorn als Reittier – geht’s noch, Ubi? Vom ersten Moment an nerven die zahlreichen Hinweise auf Mikrotransaktionen, mit denen der französische Publisher uns Spielern das Geld aus der Tasche ziehen will. Meist sind es ziemlich unnütze Sachen, die das Spiel nicht beeinflussen, aber es geht auch anders: Erfahrungsschübe, freigeschaltete Fähigkeiten oder Items, die den Spielfortschritt beschleunigen. Mein Gott, ich kann mir sogar alle Geheimnisse auf der Karte anzeigen lassen. Früher nannte man das Cheats.

Aber ich bleibe standhaft, denn warum sollte ich mir mein Spielerlebnis kaputt machen? Origins erzählt nämlich eine spannende und emotionale Rachegeschichte. Ich kehre in die Animus-Welt zurück und schlüpfe in die Rolle des Kriegers Bayak, der auf der Jagd nach ein paar geheimnisvollen maskierten Mördern ist. Meine Reise führt mich über Oasen und Städte, ich erkunde Tempel und verzichte natürlich nicht auf die bekannten Meucheleien. Später hilft mir meine Freundin Aya bei den Missionen. Aus diesen Mosaiksteinen erschaffen die Entwickler einen intensiven und epischen Zeitreisetripp, den ich nicht so schnell vergessen werde.

Es gibt viel zu tun. Während ich mich langsam an mein Hauptziel heranarbeite, tauchen auf der Karte zahlreiche Nebenmissionen auf. Einmal muss ich Betrüger überführen, dann einen betrunkenen Ehemann vor Krokodilen schützen oder ein Banditennest ausheben. Die größeren Storymissionen führen mich meist in Festungen, in denen ich mich vorsichtig an mein Ziel heranschleichen muss. Praktisch: Mein treuer Jagdvogel kann vorher Gelände und Gegner erkunden und hilft mir später im Kampf.

Zwar kann ich wie üblich meine Gegner lautlos erledigen, aber wenn es zum Nahkampf kommt, wird die wichtigste Änderung zu den Vorgängern deutlich: das neue Kampfsystem. Es erinnert jetzt an Dark Souls oder Castlevania und bietet viele taktische Möglichkeiten. Kurze, waffenabhängige Kombos, Waffe aufladen und den gegnerischen Schild durchbrechen oder Kontern und den Gegner mit einem Schildstoß in den Abgrund stürzen – das Kampfsystem ist dynamischer und herausfordernder als in den Vorgängern. Selbst auf anspruchsvolle Bosskämpfe muss ich nicht verzichten.

Wenn ich den Auftrag erfüllt habe, regnet es Erfahrungspunkte. Mit jedem Levelaufstieg schalte ich neue Fähigkeiten frei. Will ich mich eher als Krieger durch die Gegend kämpfen, aus dem Hinterhalt zuschlagen oder mit Pfeil und Bogen die Gegner auf Distanz halten? Daneben kann ich auch auf die Jagd gehen und Materialien für das Crafting suchen. Mit der entsprechenden Anzahl an Rohstoffen kann ich per Knopfdruck meine Rüstung oder den Nah- und Fernkampf verbessern. Außer den Waffen gibt es keine Gegenstände, die ich anlegen kann. Meine Kleidung ist rein kosmetischer Natur.

Was nicht so gut funktioniert, sind die Parkour-Einlagen. Zwar bietet das Spiel spektakuläre Aussichten, wenn ich ein besonders hohes Gebäude erklommen habe und einen neuen Schnellreisepunkt freischalte, aber besonders anspruchsvoll ist das Klettern nicht. Ob sich der obligatorische Ausflug in die Realität abseits des Zeitreise-Animus noch weiter entwickelt, bleibt ebenso abzuwarten. Nach den ersten Stunden kann ich mit einer jungen Wissenschaftlerin in der Gegenwart nicht mehr als nur ein paar E-Mails lesen.

Technisch ist Origins auf der Höhe der Zeit. Trotz der prächtigen Landschaft kommt die PS4 nicht ins Stottern. Das könnte neben einer cleveren Programmierleistung allerdings auch an der mäßigen K.I. liegen, die kaum Rechenleistung fordern dürfte. Dagegen stecken die Städte und Oasen voller Details und Leben.

Abesehen von den nervigen Mikrotransaktionen ist Ubisoft Montreal mit Assassin’s Creed Origins ein prächtiges Open-World-Abenteuer gelungen. Das Kampfsystem ist jetzt nicht nur ein notwendiges Übel, sondern kann mit Genre-Lieblingen wie Dark Souls & Co. mithalten. Noch dazu bietet das Spiel eine emotionale Rache-Geschichte mit einigen Wendungen und spielerische Abwechslung. Zu den Seeschlachten oder den Pferderennen bin ich noch gar nicht gekommen. Selbst für Serien-Neulinge könnte dieser Trip in die historischen Welten des Animus zu einem Spielehöhepunkt des Jahres werden.

Assassin’s Creed Origins ist am 27. Oktober für PC, PS 4 und Xbox One erschiennen und kostet zwischen 50 und 60 Euro. Für unser Angespielt haben wir ein paar Stunden auf der PS 4 gespielt.
(Andreas Müller) /


(dahe)