/Ars Electronica: Gilt die Ehe für alle auch für Roboter?

Ars Electronica: Gilt die Ehe für alle auch für Roboter?

Ars Electronica: Gilt die Ehe für alle auch für Roboter?


Johannes Schacht

(Bild: ARS Electronica Festival)

In Linz klangen die Bäume, Zellen musizierten gegen Flügel an und ob Roboter Emotionen und Persönlichkeitsrechte haben sollten, wurde diskutiert. Wer sich seinen Kopf anders zerbrechen wollte, konnte einen Schaufelbagger per EEG-Mütze steuern.

Das ARS Electroncia Festival in Linz hat sich zu einem Dorado für Medien-, Computerkunst und Explorationen im Grenzbereich von Technik, Wissenschaft und Kunst gemacht. 100.000 Besuche (Besucher natürlich weniger) wurden von den Veranstaltern gezählt, gut 4000 Einreichungen hatten sich um die vier Goldenen Nicas beworben. Rund 600 Einzelveranstaltungen an zwölf Orten in der Stadt gaben einen Eindruck von dem Ausmaß des Events. Dass das Festival in Deutschland verhältnismäßig wenig beachtet ist, erstaunt, wenn man die internationale Bekanntheit bedenkt. Von den 1000 Künstlern und Wissenschaftlern aus über 40 Ländern kamen wieder sehr viele aus Fernost.

Utopien und Dystopien aus Hollywood

Mit ihrem diesjährigen Thema “AI – Das andere Ich” hatten die Veranstalter hohe Erwartungen geweckt. Dank der Durchbrüche im Deep-Learning in den letzten Jahren ist Künstliche Intelligenz in der breiten Öffentlichkeit angekommen und hat damit die Spekulationen um menschengleiche Roboter befeuert. Wer nun erwartet hatte, die Veranstalter würden sich in ihrem Hauptsymposium an derartigen Visionen beteiligen, wurde enttäuscht. Fast schon bodenständig wurden die gesellschaftlichen Implikationen behandelt.

Vielleicht lag die Zurückhaltung daran, dass das Festival sich in vergangenen Jahren ausgiebig mit künstlichen Intelligenzen als autonom denkenden Lebensformen befasst hatte und der Raum phantastischer Utopien und Dystopien ohnehin von Hollywood abgesteckt wird. Vielleicht hatte man sich auch die Überlegung von Joanna Zylinska (UK) zu eigen gemacht, die in ihrem Vortrag “Man 2.0: AI in the Anthropocene” Überlegungen zu einer Erhöhung des Menschen durch künstliches Leben thematisierte und diese als “technological Fix” abtat, mit der eine patriarchale Gesellschaft versuchen würde, vor ihrem planetarischen Zerstörungswerk (Stichwort: Klimawandel) zu fliehen. Wie ein feministisch inspirierter Diskurswandel im Sinne von “weg von Wir versus Sie”… konkret helfen würde, konnte sie jedoch nicht überzeugend darstellen.

Was auch immer der Grund für die visionäre Scheu war, im Ergebnis war das gut besuchte Symposium weniger inspirierend als in den vergangenen Jahren. Daran konnten ein buddhistischer Mönch (Zenbo Hidaka, Japan) und ein aus Mali stammender, in den USA lebender Kulturtheoretiker und Filmemacher (Manthia Diawara) nicht viel ändern. Hikadas Zenphilosophie und Diawaras Kulturperspektiven waren dazu nicht hinreichend mit dem eigentlichen Thema der Konferenz verknüpft.

16 Jahre alte Maschinen

Und so blieb es dem Einleitungsvortrag des österreichischen KI-Veteranen Robert Trappl überlassen, ein wenig in die Zukunft zu schauen. Er betonte die wichtige Unterscheidung zwischen KI als Werkzeug zum Bau von “smart machines” und als Mittel den menschlichen Geist zu erforschen. Für die zukünftige Entwicklung prognostizierte er, dass Emotionen und Persönlichkeit Merkmale von autonomen Systemen werden würden. In diesem Zusammenhang machte er dann die launische Bemerkung, das rechtlich wenig gegen eine Ehe zwischen Mensch und Roboter stünde, lediglich die vorgeschriebene Altersgrenze von 16 Jahre würde dies dann doch zu einem Non-Thema machen: Wir alle wissen, was wir von 16 Jahre alten Maschinen halten.

Das Thema AI und Ethik offenbarte überraschende Aktualität. Joanna J. Bryson (Princeton, NJ und Bath, UK) forscht über natürliche und künstliche Intelligenz. In ihrem Vortrag “There is no AI Ethics: Five Reasons not to Other AI” hob sie auf die Überlegung des EU-Parlaments ab, den Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz stärker zu reglementieren und in diesem Zusammenhang Robotern einen rechtlichen Personenstatus zu gewähren. Brysons Einschätzung nach wäre dies ein fataler Schritt, der aber keineswegs unwahrscheinlich ist. Es spielen zwei Effekte zusammen: Erstens, sobald Roboter den Anhauch humanoiden Aussehens haben, vergessen Menschen, dass das Gegenüber lediglich ein technisches Gerät ist, und zweitens neigen wir dazu, im schwungvollen Streben nach universeller Gleichheit aller Geschlechter und Rassen auch Roboter einzubeziehen. Doch wer in Kategorien von gleichen Rechten von Frauen, Männern und Robotern denkt, verkennt die fundamentalen Werte, die uns Menschen auszeichnen.

Wenn nun Roboter von der EU mit Persönlichkeitsrechten ausgestatten würden, stellte sich beispielsweise die Frage, wie diese gegebenfalls sanktioniert werden könnten. Dies führt dann zu Überlegungen, die Geräte mit moralischen Instanzen auszustatten und leidensfähig werden zu lassen, damit eine Bestrafung möglich würde. Diese Eigenschaften sind aber den technischen Geräten nicht gegeben, sondern müssten erst willentlich von Ingenieuren hinein-designt werden. Hier kommen die Überlegungen Trappls Vision von künstlichen Intelligenzen mit Emotionen und einer Persönlichkeit beängstigend nahe. An dieser Stelle wäre eine Vertiefung sicherlich aufschlussreich gewesen.