/Anonymität beim Bitcoin: Mixing-Dienst Bitmixer.io eingestellt

Anonymität beim Bitcoin: Mixing-Dienst Bitmixer.io eingestellt

Anonymität beim Bitcoin: Mixing-Dienst Bitmixer.io eingestellt


Axel Kannenberg

Der Service Bitmixer.io, der Geldflüsse beim Bitcoin verschleiert, stellt den Dienst ein – und warnt seine Konkurrenten davor, dass ihre Aktivitäten bald überall illegal sein könnten.

Der beliebte Kryptogeld-Dienst Bitmixer.io, mit dem sich Bitcoin-Geldflüsse verschleiern lassen, wird eingestellt. In einem Foreneintrag bei Bitcointalk.org erklärte der unbekannte Macher dahinter, dass er trotz großer Profite die Aktivitäten einstellen wolle. Ihm sei nämlich klar geworden, dass Bitcoin von vorn herein als ein transparentes, nicht-anonymes System konzipiert worden sei. Ohne Transaktionen über dunkle Marktplätze könne das Kryptogeld sogar eine große Zukunft haben. “Ihr könnt Dash oder Zerocoin benutzen, wenn ihr Gras kaufen wollt. Nicht Bitcoin“, heißt es weiter in dem Eintrag.

Dabei richtet sich Bitmixer auch an die Mitbewerber: “Ich hoffe unsere Konkurrenz hört unsere Botschaft und schließt ihre Dienste bald. In Kürze werden solche Aktivitäten in den meisten Ländern als illegal aufgefasst werden.“ Im Diskussionsthread sorgte die Ankündigung für Erstaunen, Bedauern und vor allem auch reichlich Spekulation über die wirklichen Motive hinter dem Ende von Bitmixer.

Verhaftung in Griechenland

Manche vermuten, dass die Macher des Dienstes nach dem kürzlichen Ende des größten Darknet-Marktplatzes Alpha Bay kalte Füsse bekommen haben könnten, dass es ihnen nun auch an den Kragen gehen könnte. Nutzer und Verkäufer von Alpha Bay dürften jedenfalls auch regelmäßige Kunden bei Mixing-Diensten gewesen sein. Andere Foristen sehen gar den Zusammenhang zu am Mittwoch erfolgten Verhaftung nahe der griechischen Stadt Thessaloniki.

Sowohl Reuters als auch Associated Press melden nämlich, dass in Griechenland ein Mann verhaftet wurde, den die US-Behörden mit Haftbefehl wegen Geldwäsche suchten. Er soll demnach seit 2011 rund 4 Milliarden US-Dollar durch Bitcointransaktionen gewaschen haben. Der griechischen Polizei zufolge sei der 38-jährige Russe Kopf einer kriminellen Vereinigung, die eine weltweit führende Cybercrime-Webseite betrieben haben soll. Der Name der Seite wurde nicht genannt, Griechenland wolle laut BBC bald über eine Auslieferung in die USA verhandeln. Ob es tatsächlich einen Zusammenhang mit dem Ende von Bitcoinmixer.io gibt, lässt sich zur Stunde noch nicht sagen.

Derzeit wird heftig spekuliert, dass es Zusammenhänge mit Btc-e geben könne, einer undurchsichtigen Bitcoinbörse in Russland, die seit dem gestrigen Dienstag nicht mehr erreichbar ist. Der letzte Eintrag auf Twitter spricht von Wartungsarbeiten. Reuters meldet unter Berufung auf ungenannte Quellen, dass die Verhaftung in Verbindung mit der Börse steht.

Pseudonym statt anonym

Der Bitcoin ist anders als oft behauptet kein anonymes Zahlungssystem. Alle Zahlungen, Geldflüsse und Guthaben sind in der Blockchain öffentlich einsehbar. Nutzer sind lediglich durch das Pseudonym einer Bitcoinadresse geschützt, von denen man sich beliebig viele generieren kann. Ist aber die Identität hinter einer Adresse bekannt, so kann diese als Bezugspunkt für weitere Analysen oder gar strafrechtliche Ermittlungen entlang einer Kette von Zahlungen genutzt werden. Inzwischen gibt es auch einige Firmen und Forschungsvorhaben wie das unter anderem von der EU mitfinanzierte Project Titanium, die sich Methoden widmen, Bitcoinnutzern auf die Schliche zu kommen.

Mit Mixing-Diensten lässt sich diese Privatsphären-Lücke zumindest etwas ausgleichen. Einfach gesagt, werden die Coins verschiedener Einzahler durchgemischt wieder ausgezahlt. Man zahlt also dem Dienst eine Summe ein und gibt eine oder mehrere frisch generierte Adressen als Auszahlungsziel an. Auf diese Adressen erhält man dann – meist mit gewisser Zeitverzögerung und abzüglich der Gebühren – den Bitcoinwert zurück. Und der speist sich aus dem Pool an Coins, den andere zum Mixen in den Dienst eingezahlt haben. Die von einem selbst eingezahlten Coins gehen dafür an andere Nutzer. So soll die sonst in der Blockchain nachverfolgbare Kette von Transaktionen unterbrochen werden.


(axk)