/Angetestet: Adventskalender für Elektroniker

Angetestet: Adventskalender für Elektroniker

Angetestet: Adventskalender für Elektroniker


Florian Schäffer

Conrad bietet alljährlich verschiedene Adventskalender gefüllt mit Elektronikteilen für kleine und große Experimente in der Vorweihnachtszeit. Wir waren ungeduldig und haben schon 48 Türchen aufgerissen.

Schokolade war gestern. Heute gibt es Kalender mit Überraschungseiern, Lego- und Playmobil-Spielfiguren und für die Erwachsenen mit Schnaps, Bier und Sexspielzeug. Wir haben uns die Elektronik-Adventskalender “Experimente” von Conrad angeschaut: den Kalender aus dem Vorjahr, der immer noch erhältlich ist, sowie den aktuellen. Dank der zeitlosen Aufmachung eignen sich beide Modelle für die anstehende Adventszeit. Sie kosten fünf und knapp acht Euro und sind laut Anbieter ab 14 Jahren geeignet. 2016 war das Thema “Interaktive Elektronik mit digitalen Zählern” und 2017 ist es “Experimente mit Sound”.



Conrad Adventkalender Weihnachtskalender

Die Adventskalender 2016 und 2015 sind äußerlich sehr ähnlich und unterscheiden. Im Hintergrund die beiden Merkkarten.

Vergrößern

Die Kalender sind gleich aufgemacht und kommen in einer 28 × 37 × 3 cm großen Plastikschachtel daher. Statt des Conrad-Blaus wäre eine etwas weihnachtlichere Bedruckung der Adventsstimmung zuträglich. Die deutschsprachige Anleitung stammt vom Verlag Franzis und dem Autor Burkhard Kainka. Zusätzlich sind auf der rückseitigen Pappabdeckung vier Info-Sammelkarten zum Ausschneiden aufgedruckt, die ein paar technische Daten zu den jeweils benutzten integrierten Schaltkreisen (IC) bieten.

Da es gleich um den Inhalt geht: Die Kalender bieten eine nette Alternative zu Schokolade. An jedem Tag wird ein neues Experiment gemacht oder eine neue Schaltung aufgebaut. Die Sprache ist für Jugendliche nicht ganz angemessen, aber der Kauf lohnt sich.

Inhalt – Achtung Spolier-Alarm

Wenn Sie sich den Kalender selber schenken (oder schenken lassen), dann lesen Sie nicht weiter, denn wir verraten, was drin ist!

Jeder Kalender enthält neben einer handvoll Widerstände, Kondensatoren und LEDs ein kleines Experimentier-Steckboard, einen Batterieclip, etwas Draht und ein IC, um das sich die Experimente ab dem fünften beziehungsweise sechsten Tag stets drehen. 2016 war es ein Binärzähler mit Oszillator vom Typ CD4060 und 2017 ist es ein LM324 Operationsverstärker (OpAmp). Für die Soundausgabe verbirgt sich gleich hinter Tür 1 ein Piezo-Schallwandler. Erfreulich ist, dass wirklich an jedem Tag ein neues Experiment ansteht. Anfangs sind es natürlich noch recht einfache Aufbauten, bei denen die (zusätzlich notwendige) 9-V-Blockbatterie mit dem Piezo oder einem Widerstand und LED verbunden wird. Sobald die ICs verfügbar sind, wird es aber zunehmend umfang- und abwechslungsreicher. Der Aufwand für den Nachbau steigt dann durchaus auf 15 Minuten, so dass ein einzelner Widerstand am Tag zwar nach nicht viel aussieht, aber man dennoch mehr von ihm hat, als von einem Schokoladentäfelchen.

Preis-Leistungsverhältnis

Der Preis für die Kalender ist durchaus günstig angesichts der Bauteile zusammen mit der Verpackung und Anleitung. Neben der Batterie wird auf jeden Fall noch ein Seitenschneider benötigt, was leider nicht erwähnt wird. Auch eine kleine Flachzange ist hilfreich, weil sich die Beinchen sonst in den neuen Breadboards nur schwer einstecken lassen. Der Aufbau wird teilweise etwas unübersichtlich und die Gefahr einen Kurzschluss durch verbogene Beine zu erzeugen, nimmt zu. Spätestens dann ist die Hilfe eines Erwachsenen gefragt, der sich die Zeit nimmt, alles genau anzusehen. Die Anschlüsse des Piezo sind leider so dünn, dass sie keinen guten Halt finden – hier hilft es, wenn man zusätzlich ein Stück Draht in den gleichen Steckplatz drückt.

Didaktik

Die Anleitungen sind übersichtlich gestaltet und bieten immer eine kurze Erklärung und ein paar Zusatzinfos. In der 2017er-Ausgabe wird leider kein Schaltplan mehr gezeigt, sondern stets die internen Funktionsbilder des ICs, was dem Verständnis abträglich ist. Grundsätzlich darf man auch nicht zu viel von den Ausführungen erwarten. Eine Einführung in die Elektronik oder tiefer gehende Erklärungen zu den Bauteilen oder ICs wird nicht geboten. Hier steht eindeutig der Spaß im Vordergrund. Wer diesen gefunden hat und vielleicht ein neues Hobby für sich entdeckt hat, ist gut beraten, sich gleich zu Weihnachten das passende Buch oder einen größeren Experimentierkasten zu wünschen. Auf jeden Fall bieten beide Kalender eine spannende vorweihnachtliche Zeit.

Unsere Empfehlung

Soll es ein wenig mehr Kurzweil sein (und sind die Nerven strapazierfähiger), würden wir das Modell von 2017 mit dem Sound empfehlen. Kleine Wermutstropfen bleiben: So wird im Modell von 2016 am ersten Tag ein Batterieclip gezeigt, der noch nicht vorhanden ist und grundsätzlich wäre eine Bauteilliste mit Bestellnummern wünschenswert. Ebenso eine einfache Tabelle mit Widerstand-Farbcodes (kommen Sie zur Maker Faire: bei uns am Stand gibt es diese kostenlos). Die Sprache ist streckenweise etwas dröge und Jugendliche sind vielleicht etwas davon irritiert, dass der Leser gesiezt wird.


(fls)