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AMD Ryzen Threadripper 1950X schlägt Core X

AMD Ryzen Threadripper 1950X schlägt Core X


Christof Windeck


Größenvergleich: AMD Ryzen Threadripper 1950X und Ryzen 7

Der 1000-Euro-Prozessor Ryzen Threadripper 1950X mit 16 Kernen setzt sich an die Spitze der Desktop-PC-Prozessoren.

Mit dem Ryzen 7 1800X hat AMD im März den ersten Treffer gegen Intel gelandet, nun folgt der zweite Schlag: Der AMD Ryzen Threadripper 1950X übertrumpft alle bisherigen Core-Prozessoren. Zwar hat Intel bereits Core-X-Typen mit bis zu 18 Kernen angekündigt, lieferbar ist derzeit aber maximal der Core i9-7900X mit zehn Kernen. Und den übertrumpft der Ryzen Threadripper 1950X dank seiner 16 Kerne und 32 Threads locker: Im Cinebench R15, jahrelang die Paradedisziplin der Intel-Cores, steht es 3004 zu 2076 Punkte. Sogar der 800-Euro-Typ AMD Ryzen Threadripper 1920X mit 12 Kernen (24 Threads) schafft 2422 Cinebench-Punkte.

Wer also Software benutzt, die sehr viele Kerne auslastet, wird ab sofort von AMD besser bedient. Intels Core X liegt allerdings weiter vorne, wenn eine Anwendung von hoher Single-Thread-Performance stärker profitiert. Außerdem hat der Core X AVX512-Rechenwerke. Damit legt die noch dünn gesäte Software mit AVX512-Code richtig los: Bei Fused Multiply-Add-(FMA-)Operationen mit doppelter Genauigkeit (FP64) zieht der Core i9-7900X mit 1044 GFlops uneinholbar davon, der Threadripper 1950X kommt hier nur auf 476 GFlops. Für den Alltag eines Desktop-PC hat das aber bislang wenig Bedeutung.

Bald wird AMD wohl noch den Ryzen Threadripper 1900X für “nur” 550 Euro herausbringen, der den Einstieg in die neue AMD-Plattform erschwinglicher macht.

AMD Ryzen Threadripper, Fassung TR4, 14 nm
Prozessor Kerne Nominaltakt Boost alle / 4 Kerne L2-Cache TDP Preis
Ryzen Threadripper 1950X 16+SMT 3,4 GHz 3,7 / 4,0 GHz 16 × 512 KByte 180 W 1.000 €
Ryzen Threadripper 1920X 12+SMT 3,5 GHz 3,7 / 4,0 GHz 12 × 512 KByte 180 W 800 €
Ryzen Threadripper 1920 12+SMT 3,2 GHz k. A. / 3,8 GHz 12 × 512 KByte 140 W k. A.
Ryzen Threadripper 1900X 8+SMT 3,8 GHz k. A. / 4,0 GHz 8 × 512 KByte 180 W 550 €

Neue Plattform TR4

Der Ryzen Threadripper braucht neue, teure Mainboards mit der riesigen Fassung TR4 (LGA4094) und dem Chipsatz X399. Letzterer entspricht dem X370, heißt hier aber anders – einerseits, um die Mainboards leichter von den AM4-Boards für Ryzen 7/5/3 unterscheiden zu können, andererseits aber wohl auch mit Blick auf Intels X299 für Core X (LGA2066).



Mainboard Asus ROG Zenith Extreme mit AMD X399

Mainboard Asus ROG Zenith Extreme mit AMD X399 und Fassung TR4 (LGA4094)

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Zumindest anfangs ist die Auswahl an TR4-Mainboards klein: Preisvergleicher listen bisher lediglich fünf Mainboards der vier Hersteller ASRock, Asus, Gigabyte und MSI. Das billigste kostet über 350 Euro. Alle Boards sind üppig ausgestattet und bieten eine Fülle an Übertakter-Optionen. RGB-Pfostenstecker und Controller für farbwechselnde LEDs auf den Mainboards selbst, aber auch auf Speichermodulen, Ventilatoren und anderen Komponenten gehören zum guten Ton.

Apropos Ventilatoren: Ryzen Threadripper benötigt auch spezielle Kühler, jene für AM4-Boards passen nicht. Bisher empfiehlt AMD vor allem Wasserkühler, aber es kommen auch einige Luftkühler. Die Montage von Kühler und CPU ist komplizierter als bisher, zur Befestigung an der Fassung ist ein Torx-Schraubendreher mit Drehmomentbegrenzung nötig.

I/O-Monster



AMD Ryzen Threadripper: Dummy mit c't-Logo

AMD schickte Testern Dummies des Ryzen Threadripper mit jeweils eigenem Logo: Hier das für die c’t.

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Ryzen Threadripper glänzt nicht nur mit enormer Rechenleistung, sondern auch mit 64 PCI-Express-3.0-Lanes direkt an jedem Prozessor. Auch einige SATA-6G- und USB-3.0-Ports sind im Prozessor integriert, dazu kommen USB-3.1-Gen-2-Ports im Chipsatz. Die Fülle an schnellen PCIe-Lanes macht es den Mainboard-Herstellern leicht, ausreichend Steckfassungen für mehrere Grafikkarten, M.2-SSDs und Erweiterungskarten bereitzustellen.

Im Vergleich dazu tut sich Intels LGA2066-Plattform für Core X schwer: Hier hadern die Board-Hersteller mit der PCIe-Auslegung, weil es kompatible Prozessoren mit nur 16, 28 oder vollen 44 PCIe-Lanes gibt.