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Amazon Echo und Google Home: Datenschutzeinstellungen, die Sie kennen sollten

Die Netzwerklautsprecher von Amazon und Google hören nicht nur zu, sie senden auch alles nach Hause

| von Heiko Bauer

Sprachassistent Google Home steuert Ihr Heim

Angeregt durch den großen Erfolg von Amazons „Echo“ und Googles “Home” mit den sprechenden Sprachassistenten ziehen in immer mehr Haushalte intelligente Netzwerklautsprecher ein, die zahlreiche Aufgaben erledigen können und jederzeit auf Zuruf reagieren. Dann schalten sie auf Empfang, zugleich aber auch auf Sendung – und leiten das Gehörte zur Erkennung und Interpretation an die Server von Google oder Amazon.

Vorsicht: Die Sprachaufnahmen werden gespeichert

Nach getaner Arbeit werden die Daten der smarten Boxen nicht gelöscht, sondern chronologisch abgespeichert – dauerhaft. Das soll in erster Linie der Weiterentwicklung der Technik sowie der Anpassung an die Bedürfnisse der Nutzer dienen, es könnte aber auch zu weniger wünschenswerten Zwecken verwendet werden. Schlimmstenfalls hat man sich Amazon Echo, Google Home oder einem anderen smarten Lautsprecher selbst eine Wanze in die Wohnung gestellt. Ob der Gewinn an Komfort dieses Risiko rechtfertigt, muss jeder Nutzer für sich entscheiden. Deshalb haben wir uns genauer angesehen, was die Geräte können, was sie wo speichern – und welche Einflussmöglichkeiten Sie als Anwender auf die Speicherung und die Weitergabe von Daten haben.

Sprich mit der Röhre: Amazon Echo

Seit Februar dieses Jahres ist der röhrenförmige Echo von Amazon mit aktiver, omnidirektionaler Lautsprechereinheit für zirka 180 Euro bei uns erhältlich. Daneben gibt es den kleineren Echo Dot für 60 Euro, der bis auf die Audioqualität die gleichen Fähigkeiten besitzt wie sein großer Bruder. Für akzeptablen Musikgenuss muss er an ein Soundsystem angeschlossen werden. Die Geräte reagieren auf das Aktivierungswort „Alexa“, das sich auch auf „Echo“, „Amazon“ oder „Computer“ ändern lässt, sowie auf das Drücken einer Aktionstaste auf der Oberseite. Ein Leuchtring zeigt die jeweiligen Betriebszustände an. Die Einrichtung erfolgt über die „Amazon Echo“-App für Android und iOS oder im Browser unter alexa.amazon.de

Der Amazon Echo ist seit Februar 2017 erhältlich.

Die Konkurrenz schläft nicht: Google Home & Apple HomePod

Seit November 2016 in den USA und auch hierzulande seit dem 08. August 2017 zu kaufen ist Google Home. Der ebenfalls mit einer omnidirektionalen Wiedergabeeinheit ausgestattete Smart-Lautsprecher kostet 129 US-Dollar und kann in Kombination mit seinesgleichen sowie Chromecast-Geräten auch zum Multiroom-System ausgebaut werden. Das Gehäuseunterteil ist abnehmbar und in verschiedenen Farben erhältlich. Zu Diensten ist hier „Assistant“, Googles digitale Assistentin, die auch auf vielen Smartphones zur Verfügung steht. Sie reagiert auf „OK Google“ oder Tippen auf die Touch-Oberfläche, was durch bunte Leuchtpunkte signalisiert wird. Die Einrichtung ist in der „Google Home“-App für Android und iOS möglich, eine Browserversion gibt es nicht.

Bereits auf der Entwicklerkonferenz WWDC angekündigt, aber erst Ende des Jahres und dann zunächst auch nur in drei englischsprachigen Ländern erhältlich ist der Smart-Lautsprecher HomePod von Apple. In ihm wird die bis dahin runderneuerte hauseigene Assistentin Siri arbeiten. Er soll viel besser klingen als die Geräte der Konkurrenz, allerdings mit 350 US-Dollar auch das Doppelte bis Dreifache kosten.

Ausführliche Tests zu Amazon Echo und Google Home finden Sie in unseren Artikeln “Amazon Echo: So gut wie in Mr. Robot?” und “Google Home: So erschreckend schlau ist der Lautsprecher“.

Die eifrigen Dauerlauscher schneiden alles mit

Als US-Nachrichtensprecher Jim Patton im Februar in der News-Sendung CW6 ein kleines Mädchen mit den Worten „Alexa order me a Dollhouse“ zitierte, beschwerten sich hinterher zahlreiche Zuschauer, weil ihre Echos daraufhin versucht hatten, Puppenhäuser zu bestellen. Tatsächlich zeigte sich auch unsere Alexa im Alltagstest sehr interessiert an Sprachbefehlen in Amazon-Werbespots und fing dann beispielsweise an, Musik zu spielen. Allerdings sprang die hilfsbereite Assistentin auch immer wieder während normaler Unterhaltungen an, ohne dass darin irgendetwas nach „Alexa“ geklungen hätte. Bedenklich ist dabei, dass das Mitgeschnittene auf den Amazon-Servern gespeichert wird, obwohl es nicht interpretiert werden konnte. Google Home reagierte nur auf bewussten Zuruf.
 

Google Home: Gefahr von Datenmissbrauch

Immerhin kann Home aber mittlerweile Stimmen unterscheiden. Die Geräte schneiden überdies fortlaufend eine kurze Sprachsequenz temporär mit, für den Fall, dass der Nutzer nach dem Aktivierungswort weiterspricht, ohne auf eine Reaktion zu warten. Was direkt vor der Aktivierung gesprochen wurde, kann also ebenfalls mitübertragen werden. In den Speicherdaten fanden wir davon zwar nichts, aber es ist denkbar, dass diese stets aktive Aufnahmetechnik einmal als freiwillig aufgestellte Abhöreinrichtung missbraucht wird.

Einen besseren Weg in puncto Datenschutz will Apple mit dem HomePod einschlagen. Das Unternehmen, das stets erklärt, kein Interesse an Nutzerdaten zu haben, möchte die Aufnahmen zumindest anonymisiert abspeichern. Näheres ist bislang noch nicht bekannt.

Der Apple HomePod soll Aufnahmen anonnymisiert abspeichern.

Einfach selbst die Kontrolle übernehmen

Was durch die Geräte so alles auf den Festplatten der Anbieter landet, lässt sich leicht herausfinden und auch wieder entfernen. Die Einträge der Echos sind gleich auf der Startseite der App oder Browseranwendung zu sehen und lassen sich dort durch Tippen auf »Mehr | Karte entfernen« einzeln löschen. Weitere Informationen bietet der »Verlauf« in den Einstellungen unter »Allgemein«. Dort können Sie sogar die Audiodateien abspielen und ebenfalls löschen. Wer sich aller Einträge entledigen möchte, kann dies im verknüpften Amazon-Konto in der Rubrik »Meine Inhalte und Geräte« tun.

Die Speicherdaten von Google finden sich in den »Aktivitäten« auf der Webseite myactivity.google.com. Unter »Filtern nach Datum und Produkt | Google Assistant« lassen sich die Sprachdateien auswählen, ebenfalls anhören und einzeln oder mit »Aktivitäten löschen nach« auch komplett entfernen. In der Rubrik »Aktivitätseinstellungen« bietet Google sogar die Möglichkeit, die Speicherung ganz abzuschalten.

Benachrichtigung bei Aktivierung der Geräte

Wer bei einer unerwarteten Aktivierung der Geräte gewarnt werden möchte, kann diese so einstellen, dass sie zu Beginn und wahlweise auch am Ende einen Bestätigungston ausgeben. Zudem lassen sich per Tastendruck die Mikrofone abschalten, was die Echos durch einen roten Leuchtring anzeigen und Google Home durch vier orangefarbene Punkte.
Um überdies zu verhindern, dass überraschend der Postbote mit einer Puppenstube vor der Tür steht, können Sie Käufe in den Echo-Einstellungen ausschließen oder eine PIN festlegen. Zwar fragt die freundliche Assistentin vor einer Bestellung noch einmal nach, aber „ja“ sagen kann schließlich jedes Kind.

Bei den Echos lassen sich durch die Einträge “Mehr | Karte entfernen” einzeln löschen.

Dieser Artikel erschien zuerst im CHIP-Magazin Ausgabe 09/17. Die Online-Version wurde leicht gekürzt. Die aktuelle Ausgabe finden sie in unserem Online-Shop.