/50 Jahre Kindertraum: Das Fliewatüüt hat Geburtstag

50 Jahre Kindertraum: Das Fliewatüüt hat Geburtstag

50 Jahre Kindertraum: Das Fliewatüüt hat Geburtstag


Karl-Gerhard Haas

Am Nordpol: die Eskimokinder Nana und Nunu, Forscher Zacharias Peter Paul Obenauf, Robbi und Tobbi, allesamt kältedicht verpackt – und natürlich das Fliewatüüt.

(Bild: WDR)

Im August 1967 erschien die Erstauflage von Boy Lornsens Kinderbuch „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“, Anfang September wird die kongeniale Verfilmung des WDR 45. Eine Gratulation.

Davon dürften nicht nur Kinder geträumt haben, sondern auch Erwachsene: ein Fahrzeug, das fliegt, schwimmt und fährt. Der kleine Erfinder Tobias Findeisen aus der dritten Volksschulklasse hat die Pläne für das „Fliewatüüt“ (es kann fliegen, im Wasser fahren und auf der Straße tuten) fix und fertig und fragt sich: „Aber wer baut es mir?“ Eines Abends klopft „Robbi“ (genau: „ROB 344-66/IIIa,“) aus der dritten Roboterklasse ans Fenster und eröffnet ihm, dass er ein bisschen geschmult und Tobbis Pläne in die Tat umgesetzt, also das Fliewatüüt gebaut habe.



50 Jahre Kindertraum: Das Fliewatüüt hat Geburtstag

Die Erstausgabe von Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt erschien im August 1967.

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Bild: Boy Lornsen, Franz Josef Tripp, Thienemann Verlag


Zum Entsetzen aller Helikoptereltern packt Tobbi, der gerade bei seiner Tante Paula in Ferien weilt, gleich alles für die Reise: Es gilt, einen gelb-schwarz geringelten Leuchtturm zu finden, einen Forscher am Nordpol und eine dreieckige Burg in Schottland.

Die Erstausgabe des Buchs „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ des Sylters Boy Lornsen erschien im August 1967 beim Stuttgarter Thienemann-Verlag und landete im Folgejahr auf der Auswahlliste des Deutschen Jugendbuchpreises in der Kategorie Kinderbücher. Der Titel vereint das kinderbuchtypische „Freunde-erleben-Abenteuer“-Schema mit der bis in die frühen 1970er Jahre anhaltenden Fortschritts- und Technikgläubigkeit – Kombi-/Amphibienfahrzeuge erregten in den Medien jener Tage großes Interesse und galten als Möglichkeit, den damals schon verstopften Straßen zu entfliehen. Roboter in allen Varianten wurden ebenfalls überwiegend begeistert aufgenommen.

Minutiöser Drehplan

Früh wurde das Fernsehen auf den Stoff aufmerksam: Ein Rezensionsexemplar des Buches landete beim Redaktionsleiter des WDR-Kinderfernsehens, Gerd K. Müntefering. Unter der Federführung von „Sendung-mit-der-Maus“-Miterfinder Armin Maiwald wurde ab 1969 geplant. Maiwald: „Uns war klar, dass eine Verfilmung der Geschichte mit realen Schauspielern unbezahlbar gewesen wäre. Wir wollten aber auch kein reines Puppenspiel. Die Kombination von Puppen und Filmszenen mit der damals neuen Stanztechnik gab uns mehr künstlerische Freiheit und entsprach der futuristischen Stimmung des Buchs. Dies bedeutete aber eine lange Vorbereitungsphase, in der wir für jede Szene ein Storyboard erstellten. Dabei mussten wir für jede Einstellung planen, mit welchen Puppen und Modellen aus welcher Perspektive wir drehen. Auch die Flugaufnahmen legten wir haarklein fest.“

Von Robbi gab es vier Ausführungen – eine Handpuppe, eine Marionette, eine Detailpuppe und eine mit funktionsfähigem Teleskoparm, von Tobbi Handpuppe und Marionette. Vom Fliewatüüt wurde nur ein Exemplar gebaut, das war aber flexibel. Heck, Seitentüren und Kanzel ließen sich abnehmen. Das TV-Fliewatüüt gestaltete Wolfgang Schünke, Robbi und Tobbi stammen von Friedrich Arndt und Rudolf Fischer, die sie auch spielten. Während der Aufnahme sprach Friedrich Arndt alle Texte, die finalen Dialoge wurden bei der Bavaria in München aufgenommen.