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4W: Was wirklich wahr war, im dritten Teil des Sommerrätsels

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Was wirklich wahr war, im dritten Teil des Sommerrätsels


Hal Faber

Dreimal stellte Hal Faber wieder Fragen zum Sommer. Die Auflösung für die dritte und letzte Runde folgt nun.

Es hat alles sein Ende, nicht nur MS Paint. Mit der dritten Folge ist auch das Sommerrätsel zum “Summer of Love” vorüber. Während die Zeit der Hippies in Kalifornien mit zahlreichen Ausstellungen und der neu aufgelegte Film über das Monterey Pop Festival die Menschen in die Kinos treibt, geht es in Europa etwas gemächlicher zu. Dabei hatte Europa auch seinen Teil zum Aufbruch anno 1967 beigetragen.

Frage 1 hatte einen bekannten Satz des angloamerikanischen Universaldenkers Gregory Bateson zum Inhalt, der als Kybernetiker und Ökologe den Aufbruch begleitete. Bateson nahm an den Macy-Konferenzen teil und schrieb in seinem Werk “Geist und Natur”: “Ein Mann wollte wissen, wie es sich mit dem Geist in seinem Computer verhält und fragte ihn daher ‘Rechnest du damit, dass du jemals denken wirst wie ein menschliches Wesen?’ Worauf nach einiger Zeit der Computer antwortete ‘Das erinnert mich an eine Geschichte’.” Unter Nerds ist die Parodie durch Douglas Adams bekannter, wonach der Computer Deep Thoughts rechnet und nach einiger Zeit mit der Antwort “42” rauskam.

In Frage 2 war den Foristen schnell klar, dass Buckminster Fuller gesucht wurde und nicht der schwarze Obelisk, den Stanley Kubrik 1967 für seinen Film “Odyssee im Weltraum” bauen ließ. Fullers Einfluss zeigte die Hippie-Siedlung Drop City, die erste Landkommune ihrer Art. Das Rätselfoto stammt aus dem Jahre 2001 vom Hackercamp HAL. Noch heute lassen sich solche Domes als Erbe der Hippies bei den Hackern finden.

Frage 3: “My Computer likes me*



Was wirklich wahr war: Dritter Teil des Sommerrätsels aufgelöst

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* when I speak in BASIC” wurde von Bob Albrecht geschrieben, der eigens für dieses Buch eine PDP-11 bekam und im Geiste Buckminster Fullers und dessen Theorie vom Dymaxion (Dynamism + Maximum) seinen Buch-Verlag Dymax nannte. An der Midpeninsula Free University lehrte Albrecht Programmieren und Griechische Tänze.

Frage 4 suchte Marc Porat, einen der wichtigsten Organisatoren der Free University. Seine stark von Claude Shannon beeinflusste Doktorarbeit “The Information Economy” versuchte 1976 als erste, die Wissensgesellschaft zu quantifizieren und lieferte den Anstoß für den Soziologen Daniel Bell, die “Information Society” zu proklamieren. Als Software-Unternehmer gründete Porat mit den Apple-Ingenieuren Bill Atkinson und Andy Hertzfeld die Firma General Magic. Auf seine Weise ist Porat den Hippie-Ideen treu geblieben und baut heute Nullenergiehäuser. Neben Porat wurde Jim Warren genannt, ein ebenso würdiger Vertreter.

Frage 5 suchte den Austroitaliener Ettore Sattsass, der mit seiner Frau Fernanda Pivano unter den Hippies lebte und mit Allen Ginsberg als “Direttore Irresponsable” die Zeitschrift Pianeta Fresco produzierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte er mit dem Olivetti-Mainframe ELEA 9003 Designpreise gewonnen, was er mit dem PC Olivetti M24 wiederholen konnte, nicht zu vergessen die rote Valentina, die schon einmal im Sommerrätsel gesucht wurde. Sein Werk ist derzeit in Weil am Rhein zu sehen.

Frage 6 war dem Austroamerikaner Victor Papanek gewidmet, der vom Abenteuerspielplatz bis zum abgebildeten Radio für die Dritte Welt zahlreiche Ideen des “Summer of Love” umsetzte. Über sein Radio ätzte der für Allendes Cybersyn arbeitende Designer Gui Bonsiepe, es sei “durchtränkt von der Ideologie vom einfachen Wilden, der mit der eigens für ihn in der Metropole entwickelten Simpeltechnologie abgespeist wird”. Ein Punkt, der auch dem Foristen bgks aufstieß.

Frage 7 war ein Wimmelbild vom Berliner Geekfest und zeigte Captain Crunch sowie zugeschaltet Andy Hertzfeld, den Cheshire Catalyst und Randy Wigginton.

Frage 8 suchte mit dem Hinweis zu diesem Artikel im Rolling Stone den Programmierer Bruce Günther Baumgart, der heute das Archiv des Stanford Artificial Intelligence Laboratory betreibt.

Frage 9 verwies auf die Hippies der Cypherpunk-Gruppe um Eric Hughes, Timothy May und eben dem mit einem Foto abgebildeten John Gilmore, zu sehen auf dem Hackercamp OHM anno 2013, in einer Diskussion über die Zukunft der Verschlüsselung.

Frage 10 zeigte die Rückseite der letzten Ausgabe der Whole Earth Review von Stewart Brand, dem diese Such galt. Sein Wahlspruch “stay hungry, stay foolish” wird heute in Jobs-Opern gesungen.

Zusatzfrage 11 beschäftige sich mit dem Lied “The End” von den Doors, in dem der Sänger Jim Morrison sich am Ödipuskomplex abarbeitete. Parallel zu ihrem Ehemann Gregory Bateson sollte so die ebenfalls an den Macy-Konferenzen teilnehmende Ethnologin Margaret Mead gesucht werden, die mit der These des sozial bedingten “Way of Life” den Hippie-Kommunen Mut machte, andere Lebensformen auszuprobieren. In Zeiten, in denen das Pendel wieder anders ausschlägt und der Unterschied der Hirne von Mann und Frau betont werden, ist eine kleine Aufmunterung nötiger denn je.


(mho)