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4W: Was wirklich wahr war, da in der Sommernacht

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Was wirklich wahr war, da in der Sommernacht


Hal Faber

Wieder 10 Fragen stellte Hal Faber am Sonntag im zweiten Teil des Sommerrätsels, dieses Mal zur Software des “Summer of Love” – und wieder eine Musik-Zusatzfrage. Die Auflösung folgt nun.

Wie üblich gibt es zum späten Anfang der Woche noch die Auflösungen des Sommerrätsels, kurz nach dem Fußball mit der ungelösten Trikotfrage, wie nach dem Vorbild der niederländischen Löwin das Trikot mit der deutschen Adlerin aussehen könnte. Fast alle Fragen wurden gelöst, eine sogar besser als im ursprünglich eingereichten Vorschlag.

Frage 1 suchte mit dem hammerharten Algorithmus der Fourier-Transformation über den Statistiker John Wilder Tukey den Begriff “Software”, der von Tukey vorgeschlagen wurde. Ab 1958 übernahmen die ersten “Independant Software Vendors” diesen Begriff. Frage 2 nach Autoflow suchte dementsprechend die erste patentierte Software, eingereicht von Martin Goetz von der Firma Applied Data Research, ein echtes 68er Produkt. Zuvor hatten Juristen die Patentierbarkeit von Software immer mit dem Hinweis abglehnt, dass Computer nur mathematische Rechenschritte ausführen, die nicht patentierbar sind.

Seitwärts

Frage 3 wurde angeraten, doch dass der vom “Summer of Love” beeinflusste Programmierer Dan Bricklin bei seiner Konzeption von Visicalc der Zeit weit voraus war, ehe er eine reduzierte Version für den Appple ][ realisierte, kann online nachgelesen werden. ” I would have my hand on my calculator and the calculator would have a ball on the bottom of it, like a mouse, so you could move it around to position the cursor on the screen. It had the number key pad right there so you wouldn’t even have to take your hand off in order to do a calculation. I wanted to implement a head-up display, as with a fighter plane where you see the numbers in front of you.” Gesucht wurde außerdem die Gattung Tabellenkalkulation. Frage 4 suchte mit dem seitwärts laufenden Krebs das Programm Sideways für Matrixdrucker, dass als erstes AddOn der Tabellenkalkulation mit zum Durchbruch verhalf.

Frage 5 wurde mehrfach mit dem Staatstrojaner beantwortet, welchselbiger nur eine Form staatlicher Überwachungssoftware ist, mit der ein Staat sein Misstrauen gegenüber seinen Bürgern zum Ausdruck bringt. Umfassender ist der Begriff Milware für “state-authored malicious software”. Frage 6 über Microsoft Xenix war die einzige ungelöste Frage des Sommerrätsels. Zu raten war die schöne Gattung der Vaporware, wobei ein Microsoft-Ingenieur den Begriff für Xenix prägte. Später bekam die Firma sogar einen Vaporware-Award für Windows 1.0.

Purer Text

Zur Frage 7 fanden etliche Leser die Illustration aus dem Artikel von Licklider und Taylor, The Computer as a Communication Device und die Software OLIVER. Als Gattungsbegriff wurde Kommunikationssoftware gesucht. Frage 8 zum Nichtdokumentenmodus bezog sich auf frühe Textverarbeitungen wie Wordstar, Electric Pencil, oder Wordperfect. Wer mit ihnen als Editor Softwareprogramme schreiben wollte, musste in diesen Modus wechseln, der reines ASCII ohne Steuerzeichen und Druckanweisungen produzierte.

Frage 9 ging zurück in die Frühzeit der Hobbyisten, als der ebenfalls stark vom “Summer of Love” beeinflusste Boeing-Programmierer Peter Norton, Spezialist für Utilities, die in undokumentierte Mainframe-Bereiche einsteigen, diesen Ansatz auf den PC übertrug. Norton lizensierte sein Programm Unerase zur Rettung gelöschter Dateien zunächst zur allgemeinen Nutzung an Hobbyclubs, auch “Special Interest Groups” genannt. Später kommerzialiserte er den Ansatz und verkaufte die Norton Utilities, womit auch der Gattungsname klar sein dürfte.

Gruppenerfahrung

Frage 10 zeigte einen Screenshot der Software “The Coordinator” in deutscher Übersetzung, womit nach der Groupware gesucht wurde. Das Programm von Fernando Flores und Terry Winograd entstand nach den Erfahrungen mit Cybersyn in Chile unter Salvador Allende.

Die musikalische Zusatzfrage 11 hielt den Soundtrack der Paperwork Explosion bereit, die der spätere Muppet-Schöpfer Jim Henson für IBM im Jahre 1967 realisierte, um die Bedeutung der Textverarbeitung zu illustrieren. Die Musik kam vom Bandleader und Tonerfinder Raymond Scott. Eine zeitgemäße Interpretation findet sich ebenfalls im Netz. Nächste Woche dann zum Schluss die Rätselei derjenigen Menschen, die mit dem Summer of Love in eine neue Welt aufbrachen.


(jk)