/4W: Was war. Was wird. Von Alleen und anderen Männerfantasien.

4W: Was war. Was wird. Von Alleen und anderen Männerfantasien.

Maulwürfe sind auch ne gewisse Form von Gadget, oder Q-Kreaturen, oder so …

Gadgets. GADGETS. GADGETS!!! Ach, wie langweilig, jammert Hal Faber. Wo ist Q, wenn man ihn mal wirlich braucht? Da nutzen auch die dummen Sprüche von Cyber-Gefechtsfeldern nichts: Die Geheimdienste sind auch nicht mehr das, was sie nie waren.

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war



Was war. Was wird. Von Alleen und anderen Männerfantasien.

Asger John, Interplanetary Female

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*** avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y un admirador

Kann dieses wunderschöne Liebesgedicht von Eugen Gomringer übermalt werden, weil es angeblich Frauen als Objekte im öffentlichen Raum degradiert? Aber nicht doch. Die Weisheit der Massen im Heise-Forum bringt es zu Tage: so ein Gebäude hat ja mehrere Seiten und ist damit prädestiniert, die ganze Schönheit der konkreten Poesie wiederzugeben, natürlich mit tiefer Verbeugung vor allen Lesern, die Poesie lieben und leidenschaftlich diskutieren.

Kneipen.
Kneipen und Biere.

Biere.
Biere und Männer.

Kneipen.
Kneipen und Männer.

Kneipen und Biere und Männer und ein Wirt.

*** Wir sehen: Gedichte gehören zur IT und zu den Heise-Leserinnen und Lesern wie Q zu 007. Womit ich schon bei der neuen Zentralstelle für Schnüffeldienste (ZITIS) angelangt bin, die in dieser Woche im Web auftauchte und gleich ein richtig apartes Stellenangebot postete: “Wir suchen Q, nicht 007. Du verbindest die Kreativität eines Q, die James Bond erst erfolgreich macht, mit grundsätzlichem Verständnis für öffentliche Institutionen?” Die Kreativität eines Q oder eines Gomringers mit dem Verständnis für Behörden wiedas Bundeskriminalamt, die Bundespolizei und das Bundesamt für Verfassungsschutz zusammenbringen, das hat etwas. Wobei in meiner altmodischen filmisch geprägten Vorstellung die “Kreativität eines Q” beim Bundestrojaner eine Armbanduhr wäre, die Bond trägt, während er lässig das Passwort eines Computers knackt, der einem Schurken gehört. Kaum ist der Rechner entsperrt, speichert die Uhr mittels Bond-Link die Festplatte im Armband, während eine zusätzlich laufende Suche die (Mail)Adressen schöner Schurkinnen direkt in Bonds Kalender kopiert, damit er sie bei nächster Gelegenheit vö, äh, völkerkundlich untersuchen kann. Mujeres y un admirador, wissensschon.

*** Soviel zu Q. Was aber ist eigentlich dieses “grundsätzliche Verständnis für öffentliche Institutionen”? Wer diesen Informationsaustausch zur Akkreditierung von Journalisten beim G20-Gipfel durchliest, erhält den Eindruck, dass die Institution Bundeskriminalamt einen Sauhaufen von einer Datenbank hat, in der alles mögliche gespeichert ist. Alles nur Einzelfälle, aber davon mehrere Tausend, verursacht durch das Gefahrenrecht, nach dem in polizeilichen Datensammlungen auch die Daten Nichtverurteilter stehen können. Da helfen auch gut gemeinte FAQ-Antworten über Verbunddareien nichts, wenn “nur bei bewiesener Unschuld” gelöscht wird. “Istnoch ein Restzweifel da, darf der Eintrag bleiben”. 10 Jahre
lang. Sammel in der Zeit, dann hast du in der Not, könnte der Wahlspruch des BKA lauten.

*** Auch bei der Gesichtserkennung gibt es Erklärungsbedarf. Nach dem Blukii-Aufreger in der letzten Woche stellt sich die Frage, was die Spezialisten des Bundeskriminalamtes so alles unter der “No-Spy-Klausel” der streng geheimen Software-Verträge verstehen, die mit den Lieferanten der Erkennungssoftware abgeschlossen wurden. Die offizielle Erklärung soll Befürchtungen verscheuchen, könnte aber einen Q beunruhigen: “Hiermit solle die Virenfreiheit von Software und der Ausschluss unerwünschter Funktionen, die die Integrität, Vertraulichkeit und Verfügbarkeit von Software, Hardware oder Daten gefährden, gewährleistet werden.” Für eine Bundesregierung, die mit ZITIS und vielen Qs die Vertraulichkeit von Software zerdeppern will, ist diese Klausel bemerkenswert, nicht nur wegen der vertraglich zugesicherten Virenfreiheit. Hier geht es um Qualitätssoftware mit Gütesiegeln wie Made in the USA oder Made in Germany. Die bösen sind schließlich ganz woanders, etwa wie üblich in Russland, wo dieses FindFace herkommt, von einer Firma, die das Gesichtserkennungssystem der Moskauer Polizei entwickelt.

*** Gibt es Software, die mit großer Zuverlässigkeit vorhersagt, wo der nächste Einbruch stattfinden wird? Die erste wissenschaftliche Studie zum Predictive Policing mit Hilfe der Software Precobs ist draußen und sie ist nicht sonderlich positiv. Der Kriminologe Dominik Gerstner meint, das Predictive Policing nur in städtischen Bereichen funktioniert, wenn überhaupt. Auf dem platten Lande muss der Einsatz der Software “kritisch gesehen” werden. Während Polizeiexperten Precobs als sinnvolle Ergänzung zur Einsatzplanung sahen und die “höhere Führungsebene” die Software wundervoll findet, gehen die Meinungen der durch die Software losgeschickten Beamten weit auseinander: Für die Polizisten auf Streife führt Precobs schlicht zur Mehrbelastung und zur Veränderung der täglichen Arbeitsroutine. Aber noch ist aller Studien Anfang. Softwareseitig muss außerdem die Gegenprobe
erfolgen, mit der Planungssoftware der Einbrecherbanden, die reiche Wohngebiete mit nahem Autobahnanschluss bevorzugt.

*** “Sie haben das Recht, die Aussage zu verweigern, zu schweigen und einen Anwalt hinzu zu ziehen”: Dieser Satz, der in Filmen oftmals mechanisch “wie von einem Computer” gesprochen heruntergeleiert wird, ist in den USA als Miranda-Statement in die Rechtsbücher eingegangen. Im Fall der von einem Drucker und einem Journalisten enttarnten Whistleblowerin Reality Winner wurde Miranda vergessen, womit es Probleme gibt, ihre Aussagen vor Gericht zu verwerten. Dabei ist der Fall für zukünftige Whistleblower von großer Bedeutung. Die Frage steht im Raum, welchen Schutz Whistleblower während der Regierungszeit von Trump erwarten können. Hier kommt hinzu, dass der bereits erwähnte republikanische Politiker Rohrabacher Trump einen bizarren Deal vorschlagen will: Wenn Trump Julian Assange vorab begnadigt will dieser beweisen, dass “die Russen” nichts mit den Leaks zu tun hatten, die den US-Wahlkampf beeinflussen. Mit der Begnadigung würde Trump nebenbei seine Verachtung der Dienste demonstrieren können, während der Cäsarenwahnsinn von Assange weiter gesteigert würde – bis zur ausstehenden Verhaftung wegen der Verletzung der Aufenthaltsauflagen, verhängt durch britische Gerichte. So geht es aufwärts, bis es nicht mehr geht.

Was wird.

Aufwärts geht es auch mit dem Konsum, es wird ja wieder kräftig in die Hände gespuckt. All die schönen von Robotern hergestellten Sachen auf der IFA. Gadgets über Gadgets, soweit das Auge reicht. Und dann dieses Glänzen in den Augen der Journalisten, wenn sie begeistert über die Zigzillionste Idee schreiben, den Kühlschrank ans Internet zu hängen oder der Natur einen smarten Garten abzutrotzen. Auf kleinstem Raum kann man im schönen Berlin die Krise des Technikjournalismus studieren, der es nicht mehr schafft, Zusammenhänge zu erklären. Lieber schnell das nächste Gadget ausprobieren! Oder einen düsteren Blick auf die böse Algorikative werfen, der wir alle unterworfen sind. Bis zum Mittwoch ist da genug zu tun.

Wenn es sich in Berlin ausgefunkt hat, fliegen anderswo die Funken. Niemand anderes als die Ausrüster der Bundeswehr laden zu einer IT-Konferenz über den Cyberkampf in Neuland ein. Hoppla, das heißt anders, nämlich “das neue digitale Gefechtsfeld”. Der Cyberraum als Schlachtfeld der Zukunft muss verteidigt werden, mit allen Zähnen und Klauen und Mäusen. Die Truppe muss auf Zack sein, die Cyber-Rolle als digitalem Stacheldraht muss jeder Soldat im Marschgepäck haben, immer bereit, dem Gegner die Cybergrenze zu zeigen.



Nam June Paik, Tor

Nam June Paik, Tor

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Wer den Unsinn vom Cyberwar und seinen Cyber-Bündnisfällen nicht mitmachen will, kann das am nächsten Wochenende bei der Demonstration Rettet die Grundrechte zeigen. Was nicht nur in Berlin gehen soll. Denn all das hier erwähnte, der Cyberwar, das Predictive Policing, die Gesichtserkennung und die Anlage großer Datensammlungen sind ein Angriff auf diese Rechte, durch Politiker hübsch verpackt im Namen der Sicherheit präsentiert. Aber wer sagt von den für Überwachung zuständigen Politikerinnen und Politikern solche Wahrheiten: “Wir, meine Damen und Herren, unterlassen es ab sofort, Sie zu überwachen, Ihre Telefonate und den Verlauf Ihrer Suchmaschinen zu speichern. Sorry. Das war eine dumme Idee, um Sie zu kontrollieren und zu beherrschen.”

Merkel.
Merkel und Schulz.
Merkel und Schulz und eine Moderatorin und eine Moderatorin und ein Moderator und ein Moderator.

Aufwachen?


(jk)