/20 Jahre Evoke: Symphonie für eine Pebble und zwei Gameboys

20 Jahre Evoke: Symphonie für eine Pebble und zwei Gameboys

20 Jahre Evoke: Symphonie für eine Pebble und zwei Gameboys


Torsten Kleinz

(Bild: Heiko Behrens, YouTube)

Viel Nostalgie und Coder-Träume in vier Kilobyte: Zum 20. Jubiläum der Demo-Party Evoke in Köln zeigte die Szene, was sie kann, und dass selbst in alten Rechnern wie dem Atari 2600 noch Leben steckt.

Kaum glaubliche visuelle Effekte auf unmöglicher Hardware – und das verbunden mit einer dreitägigen Dauer-Party. Zum zwanzigsten Jubiläum hat die Demoparty Evoke in Köln einen neuen Rekord aufgestellt: Über 500 Gäste aus 27 Ländern feierten mit, als die verschiedenen Demo-Gruppen gegeneinander antraten.

Von illegalen Cracks zur Kunstform

Die Demoszene ist ihre eigene, spezielle Subkultur. Über Monate programmieren, komponieren und designen die Mitglieder einer Demo-Gruppe an ihren Werken, um auf einer Party einen kurzen Applaus von ihresgleichen einzuheimsen. Einsteiger sind willkommen, aber selten: Das Programmierniveau der Einreichungen ist so hoch, die Ästhetik so speziell, dass es Neulingen schwer fällt, mit den etablierten Gruppen zu konkurrieren.

Zum 20jährigen Jubiläum werfen den Veranstalter einen Blick zurück.

Dass die Evoke so lange überlebt hat, liegt auch an der Spielemesse Gamescom, die in dieser Woche in Köln stattfindet. Einst war die Demoszene aus den florierenden Austausch von Raubkopien für Heimcomputer hervorgegangen: Die Cracker-Gruppen versahen die Disketten mit illegalen Kopien zuerst mit kleinen “Crack-Intros” als eine Art Unterschrift. Mit den Jahren verselbständigten sich diese Intros zu einer Kunstform, die ohne illegale Kopien auskam. Und viele der Jugendlichen, die vor 20 Jahren den Kopierschutz von Spielen entfernten, arbeiten heute selbst in der Spiele- und Unterhaltungs-Industrie.

Kreative Hardware-Nutzung

Der Wettbewerb dreht sich im wesentlichen um “Demos” – kleine Filme, die in Echtzeit auf den Computern erzeugt werden. Um die Schwierigkeit zu erhöhen, verwenden die Programmierer dazu gerne Rechner, die keine Gigahertz-Grafikkarten zu bieten haben. So wimmelte es in Köln vor alten Amigas und C64. In der Kategorie “Alternative Platforms” trat sogar ein Atari 2600 an. Aber auch moderne Hardware wurde zweckentfremdet – so hatte ein Programmierer eine Demo für das Einlass-Badge des Hackercamps SHA-2017 geschrieben.

Klarer Gewinner war hier jedoch die Demo “Intrinsic Gravelty”, die auf der Erstserie der Smartwatch Pebble lief: Auf 24 Kilobyte RAM, einem mit 80 Megahertz getakteten ARM-Prozessor und einem Zwei-Farben-Display. Für den Soundtrack hatten sich die Gruppe “Bedrock Bros” etwas besonderes einfallen lassen: Sie koppelten zwei Gamesboys, die den notwendigen Hintergrund für die 3D-Animationen lieferten. Besonderen Beifall bekam die Demo für ihre Verwendung eines animierten Boing-Balls [–] eins der Markenzeichen des Amiga.

Eigentlich hat die Pebble gar keine Grafikfähigkeiten. Demo-Coder sehen das jedoch als Herausforderung.

Traditioneller Höhepunkt sind die Kategorien 64K und 4K, in der es die Programmierer schaffen müssen, ihre Werke in 64 beziehungsweise nur 4 Kilobyte zu pressen. In der höheren Kategorie belegten die Veteranen der Gruppe Farbrausch diesmal nur Platz 2, Gewinner waren “poo-brain” mit ihrer Demo “yermom”. Einen wahren Ansturm erlebte die 4K-Kategorie mit gleich 16 Teilnehmern. Hier gewann die Demo Faraday Future von “Alcatraz” und “LJ”.

Farbrausch demonstriert, was sich mit 64 Kilobyte anstellen lassen.

Einen Überblick über die verschiedenen Wettbewerbsbeiträge gibt es bei Pouet.net und Demozoo, Videos werden nach und nach auf YouTube veröffentlicht. Die nächste Evoke findet am 17. bis 19. August 2018 wieder in Köln statt.


(anw)